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    Seit vielen Jahren lädt die Landeshauptstadt Kiel in unregelmäßigen Abständen leitende Bundeswehr-Vertreter zum Austausch ein, um so das gute Verhältnis zwischen Bundeswehr und Stadtverwaltung weiter zu stärken.



  • Tipps, wenn die Eltern pflegebedürftig werden
    Was zu beachten ist, wenn Kinder ihre Eltern pflegen, zeigen das PflegeNotTelefon Schleswig-Holstein und der Pflegestützpunkt in der Landeshauptstadt Kiel in einer gemeinsamen Veranstaltung am 11. Mai.





Die Opfer der NSU

Im Rahmen der Ausstellung „Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“  vom 2. bis zum 6. November jeweils von 9 bis 18.30 Uhr in der Landesgeschäftsstelle der AWO Schleswig-Holstein, Sibeliusweg 4, 24109 Kiel, wurde am

Donnerstag, 5. November, um 17 Uhr
im Foyer der Landesgeschäftsstelle der AWO Schleswig-Holstein,
Sibeliusweg 4, 24109 Kiel

von der Sozialwissenschaftlerin Birgit Mair eine Erläuterung der Ausstellung und ein Austausch angeboten. Frau Mair hat die Ausstellung konzipiert und erstellt.

Dr. Björn Elberling, als Vertreter der Nebenklage in dem Prozeß gegen die Gruppe "Nationalsozialistischen Untergrund"  stand als Gesprächspartner ebenso zur Verfügung wie Ibrahim Arslan, der 1992 als siebenjähriges Kind den Brandanschlag von Mölln überlebte. Charlotte Sauerland, AWO SH sprach für das Netzwerk gegen Rechtsextremismus. 

Am 4. November 2015 jährt sich die Aufdeckung der Morde des rechtsterroristischen Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) zum vierten Mal. Aus diesem Anlass zeigt die Arbeiterwohlfahrt Schleswig-Holstein in Gedenken an die Opfer diese Wanderausstellung „Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“.

 

 

 

Podium NSU
 

 

 Dr. Björn Elbering, Ibrahim Arslan, Charlotte Sauerland, Birgit Mair

 

Der Berichterstatter ist Vorsitzender des Mettenhofer Arbeitskreises für Kriminalitätsverhütung und Mitinitiator der Stadtteilinitiative für Toleranz und Vielfältigkeit.

Ein wesentliches Anliegen von Birgit Mair war die Tatsache, dass (wie immer) der Blick nach den Taten fast ausschließlich auf die Tatvorgänge und die möglichen Täter gerichtet wurde - die Betrachtung der Opfersituation und die notwendige Hilfestellung für die Opfer blieb regelmäßig aus. Dieses verschlimmerte sich noch durch die Tatsache, dass über eine lange Zeit die Täter im Umfeld der Opfer, also bei Menschen mit Migrationshintergrund und auch unter den Familienangehörigen der Opfer gesucht wurden. Die unterschiedlichsten Motive wurden angenommen wie z.B. Schutzgelderpressung und Drogenhandel.

Ibrahim Arslan brachte in seinen Ausführungen gut nachvollziehbar zum Ausdruck, in welcher schwierigen Lage sich die Opfer ( Opfer im weitesten Sinn ) befinden. Neben Verdächtigungen, die zwar nicht bewiesen, aber plausibel erscheinen, über nicht eingehaltene Zusagen politisch Verantwortlicher, über den Wunsch, die Auseinandersetzungen zu beenden oder bis zu dem langen Prozeß, berechtigte Ansprüche vor Gericht durchzusetzen, die Schwierigkeiten sind vielfältig. Beieindruckt hat mich die Darstellung der Aufarbeitung von fremdenfeindlichen Anschlägen, eine Kultur des Gedenken, staatlich gesteuert, vielleicht auch gut gemeint, aber ohne echte Einbeziehung der Opfer.

Als pensionierter Polizist musste man sehr nachdenklich werden, als Dr. Elberling mit Blick auf die Nebenklage Ausführungen zu dem vermuteten neonazistischen Netzwerk machte. Seine Beschreibung der Abläufe, unterstützt auch von Frau Mair, warfen viele Fragen auf. Ob man seiner These, dass die Staatsräson es fordert, dass man beim NSU, nur von drei Täter ausgehen will, folgen kann, bleibt für mich offen. Seine Kritik an V-Leuten in der NPD, ihrer Finanzierung, dem möglichen strafrechtlichen Schutz sowie die immer wieder sehr strittig diskutierte Frage des Quellenschutzes, war in diesem Zusammenhang gut nachvollziehbar.     

Wolfgang Baasch als Landesvorsitzender der AWO SH hatte als Veranstalter zu Beginn auf ein weiteres Problem der Aufarbeitung des NSU - Komplexes hingewiesen. War bis zu Prozeßbeginn großes Interesse und Aufmerksamkeit gegeben, so mußte man sich, je länger der Prozeß dauert, immer mehr auf die Abläufe bewußt konzentrieren, um die dahinter stehende Problematik für unser Gemeinwesen nicht aus dem Auge zu verlieren.


 

 

 

 

 

 

Burghausen WEB

 

Die Geschichte der Ausstellung

 

Einvernehmliches Fazit der Veranstaltung war dann auch, dass der Kampf gegen Rassismus eine in dieser Frage starke Gesellschaft benötigt. Offen blieb die Frage, ob  die Vernetzung von Opfern, die in der Vergangenheit in Einzelfällen sehr erfolgreich war,  für die Bewältigung gerade komplexer Beeinträchtigungen ausreicht. Hier muss wohl über die deutliche Verbesserung von niedrigschwelligen Hilfsangeboten nachgedacht werden.

Erstaunlich war die eher schlechte Beteiligung an dieser Veranstaltung. Für die geforderte starke Gesellschaft bedarf es scheinbar auch hier schon einer größeren Anstrengung.

 

Sehr gut gemacht war die bilderreiche Ausstellung. Sie setzt sich auf 22 Tafeln mit den Verbrechen des NSU in den Jahren 2000 bis 2007 sowie der gesellschaftlichen Aufarbeitung nach dem Auffliegen des Nationalsozialistischen Untergrundes im November 2011 auseinander. Im ersten Teil der Ausstellung werden die Biografien von Enver Simsek, Abdurrahim Özüdogru, Süleyman Tasköprü, Mehmet Turgut, Habil Kilic, Ismail Yasar, Mehmet Kubasik, Theodoros Boulgarides, Halit Yozgat und Michele Kiesewetter dargestellt. Zu Wort kommen auch Angehörige der Mordopfer. Weitere Tafeln beschäftigen sich mit den Bombenanschlägen in Köln sowie den Banküberfällen, bei denen unschuldige Menschen teilweise lebensbedrohlich verletzt wurden.

 

Heinz - Bruno Wunsch

Redaktion Stadtteilportal

 

 

Quellenhinweise:

Flyer zur Veranstaltung

Gedenktag Brandanschlag Mölln (mehrsprachig)

Blog Nebenklage NSU Prozeß München

Konzeption der Ausstellung

Beratungswerk gegen Rechtsextremismus

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