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Stein & Holz Bildhauerei

Vernissage vom 03.02.2017

Schon beim Eintritt in die Kulturscheune des Hof Akkerboom konnte man den spirituellen Geist fühlen, der von den Skulpturen der Künstler/innen ausging. Bei der Vernissage am 03. Februar 2017 hauchte der Künstler Tamer Serbay mit seinem Saxophon und mit seinen Klängen diesen Werken noch die letzte Kraft ein, so dass diese den Besucher vollends bei der Betrachtung in den Bann ziehen konnten.

          Walter Kemlein                              Tamer Serbay

                        Walter Kemlein                                                          Tamer Serbay

 

In seiner Begrüßungsrede erzählte Herr Walter Kemlein, der einzige männliche hier ausstellende Künstler, wie sich die Künstler untereinander kennen gelernt hatten.
Er selbst, ein gebürtiger Göttinger, absolvierte ein Medizinstudium in Kiel, das er 1975 mit seinem Examen beendete. Neugierig auf die Bildhauerei war er schon von Kindesbeinen an dabei. Zwischen den Skulpturen seiner Urgroßmutter verbrachte er seine Ferien und sie verübten einen entscheidenden Einfluss auf ihn. Seine Werke sind aus verschiedenen Hölzern gefertigt, darunter die Sauerkirsche, die Pappel und die Linde. Aber auch mit Marmor, speziell dem berühmten weißen Marmor von Paros, hat sich der Künstler in den letzten neun Jahren auseinandergesetzt.

 

 

 

Brigitte Kemlein (Fotografie)Brigitte Kemlein(Fotografie)     

 

Tragend auf den Gesamteindruck der Ausstellung wirkte sich das Engagement seiner Frau, der Malerin und Fotografin Brigitte Kemlein, aus. Mit ihren ästhetischen Fotografien, mit aus der Natur entnommenen Objekten, wirkt sie, aus dem Hintergrund kommend, unterstützend auf die Skulpturen ein, die aus den verschiedensten Materialien stammen. Dieser zusätzliche inspirierende optische Anreiz lädt den Betrachter dabei zu einem längeren Verweilen ein.

Wenn man wie Frau Ingrid Heidrich-Siggelaki auf einer sonnigen Insel wohnen kann und dabei auf weißem Marmor geht, kommt die Muse, wenn man ihr aufgeschlossen ist, ganz von alleine. Diese Insel liegt in einer Inselgruppe im Ägäischen Meer, den Kykladen und nennt sich Paros. Die griechische Insel Paros liegt im Zentrum der Kykladen. Zusammen mit zahlreichen kleinen unbewohnten Felseninseln bildet sie eine Gemeinde in der Region Südliche Ägäis.

Seit 1990 lebt die geborene Hamburgerin dort mit ihrem griechischen Mann und lernte auf dieser Insel den Marmor lieben. Unter der Anleitung ihrer Lehrerin Christiane Demenat erwarb sie die Fähigkeit den Marmor Schicht um  Schicht zu enthüllen und ihm seine Geheimnisse zu entlocken. Sie arbeitet mit Naturstein. Ihre Arbeitsmethode gleicht der klassischen, griechischen Bildhauerei. Mit Hammer und Meißel, Schleifstein und Schmirgel geht sie bei dem Gestein zu Werke. Sie selbst sagt, dass sie sich bei ihrer Arbeit in einer Art Kommunikation mit dem Stein befindet. So entlockt sie ihm die Möglichkeiten, die ihm zu der endgültigen künstlerischen Form verhelfen. Dieser Dialog ist beim Betrachten der Skulptur zu erahnen und man merkt eine gewisse Harmonie im Ausdruck zwischen ihr und der schaffenden Künstlerin.

 

    Ingrid Heidrich Siggelaki                   Renate Schulze Schnoor

                    Ingrid Heidrich-Siggelaki                                               Renate Schulze-Schnoor

 

Stein und Glas – zwei Materialien, die unterschiedlicher nicht hätten sein können – bringt Renate Schulze-Schnoor zu einem harmonischen Gefüge so zusammen, dass man denken könnte, sie würden einander ergänzen. Das Zerbrechliche und das Schwere, das Transparente und das Verschlossene, das durchsichtig Offene und das Geheimnisvolle – all das wird durch die Konstellation der Körper auf geheimnisvolle Art und Weise zueinander in Verbindung gebracht. Den Stein belässt sie dabei in seinen Brüchen, in seinem „So Sein“, in seiner eigenen uralten Welt und Schönheit. Mit den bearbeiteten, glatten polierten Flächen erzeugt sie eine Spannung – eine Gegensätzlichkeit, einen Widerspruch – der durch das Glas noch verstärkt wirkt. Sie verbindet einen geteilten Stein mit Glas. Sie legt oder stellt Glas in den Stein, an den Stein. Dabei ist auch die Form des Glases entscheidend. In langer Röhrenform oder auch als steinförmiges Gebilde gibt das Glas der Skulptur den gewissen Ausdruck. Die Verbindungen von Basalt mit grünem Glas, schwarzem Speckstein mit rotem Glas, weißen Marmor mit hellem Glas oder transparenter Alabaster mit schwarzem Glas lassen erahnen, mit welchen unterschiedlichen Materialien sich die gebürtige Kielerin auseinander setzt. Auf die Frage, wie sie dazu gekommen ist, das Schwere und das Zerbrechliche zu verbinden erklärte die Künstlerin: „Manchmal tue ich etwas, was ich nicht erklären kann. Ich bin überrascht, ich wundere mich, wenn ich anfange es vielleicht zu verstehen. So ist es mit meinen Steinen und dem Glas. Das was ich durch meine Steine ausdrücke, bezieht sich auf meine Erfahrungen mit mir und meiner Lebensgeschichte. Ich bin so geworden durch sie und nicht anders.“

Die Eigenständigkeit des Materials so belassen und trotz der Verschiedenheit sich aneinander reibend und sich damit miteinander verbunden fühlen, das ist die Intention, die sich die Künstlerin auferlegt hat. Dabei reduziert sie ihre Formen auf das Wesentliche. Die Kunst - sei es ein Gemälde, eine Skulptur, oder eine Plastik - soll etwas aussagen, das über uns hinausgeht. Wenn man etwas Transzendentes bei der Betrachtung verspürt, wenn etwas zeitlos ist, dann ist es für die Künstlerin vorbildhaft. Durch ihre Lehrerin, der Bildhauerin Zuzanna Hlinakova (die Künstlerin war an diesem Abend anwesend), konnte sie den Weg gehen, den sie jetzt geht. Renate Schulze-Schnoor hatte die Künstlerin mit ihrer Kunst auf einer Ausstellung kennengelernt. Von da an wusste sie, dass sie Bildhauerin werden wollte. Sie lehrte sie das Sehen und sie fand ihr Eigenes. Sie gibt ihren Steinen ihre Stimme. Dieser Prozeß geht immer weiter und wird auch in der Zukunft nie zu Ende gehen, je länger man sich mit diesen Objekten beschäftigt.

 

Birgit Sponheuer

                                                            Birgitt Sponheuer                                                                  

 

Die gebürtige Lübeckerin Birgit Sponheuer lebt seit 1970 in Kiel. Die gelernte Zahntechnikerin, Diplom-Pädagogin und Lehrerin machte schon früh in den 70er-Jahren Erfahrungen mit Holz. In einem Semesterprojekt war sie an der Herstellung eines Bauhaus-Schachspiels beteiligt.
Mit dem Bau von einfachen Möbelstücken bis hin zur Täfelung von Decken und Wänden arbeitete die Künstlerin danach praxisorientiert mehrere Jahre lang mit Holz. Zur Jahrtausendwende beschloss sie dann sich dem Holz mal von der künstlerischeren Seite zu nähern. In der VHS Kiel fand sie dazu den passenden Lehrmeister – Dieter Stolte. Er lehrte sie auf die Zeichen des Holzes zu achten und mit den Formen dieser Materie achtsam umzugehen.
Holzstrukturen – interessante und vielfältige haben sie dabei im Laufe der Jahre zu neuen Herausforderungen und Auseinandersetzungen geführt, die sie bei der Betrachtung eines Holzstücks in Erfahrung bringen konnte. Hinhören und Fühlen – das Holzstück gibt ihr den Weg und ihre Arbeitsschritte vor und so beginnt, bis zur Vollendung des Werkstücks, eine Suche und Kampf: mit ihr selbst und mit dem Holz. Mit ihren "Entfaltungen" oder Titeln wie "Verworren", "Hohlkörperchen", "wachsam" und "dynamisch" beweist sie jedoch, dass dieser Kampf nicht aussichtslos ist.
Allein die Konstellationen der Skulpturen in der Kulturscheune im Raum sind schon sehenswert. Ob in einer Vierergruppe angeordnet oder einzeln aufgestellte Objekte, so ist es für den Besucher ein Augenschmaus.
Nur bei einer kleinen Figur war etwas „Irgendwie anders“. Doch was, das kann der Schöpfer dieser Figur, Walter Kemlein, dem Besucher verraten.

 

Irgendwie anders

"Irgenwie anders"

 

Mit einer Finissage endet die Ausstellung am 26.02.2017 in der Kulturscheune des Hof Akkerboom Stockholmstrasse 159. Die Öffnungszeiten bis dahin sind am Wochenende am Samstag und Sonntag zwischen 15°° und 18°° Uhr. Der Eintritt ist frei.

Die Fotografien sind am letzten Tag gegen eine Spende für den Wiederaufbau des Hof Akkerbooms von der Künstlerin Brigitte Kemlein zu erhalten.

Wilfried Likuski (Text + Fotos) Redaktion Mettenhof

 

 

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