Ernst von Domarus  -  "...und der Wandervogel"

 

Ein Künstlernachlass

 

Seit April 2009 betreut die Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein den Nachlass des Künstlers Ernst von Domarus. Die Erben - Frau Irmingard und Herr Edwin Theune - von über 800 Werken von Ernst von Domarus, wurden sich damals nach längeren Verhandlungen mit der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein einig, dass der Verbleib dieser Werke zur Aufarbeitung, Archivierung, Digitalisierung und Inventarisierung dort am Besten aufgehoben ist. 

 

Frau Dr. Imke Lueders 

 

Frau Dr. Imke Lüders 

und der Wandervogel

 

Band 3  „….und der Wandervogel“

 

Davon zeugen die repräsentativen Ausstellungen des letzten Jahres, sowie eine eigens dafür angelegte Homepage (www.domarus-archiv.de) und zwei sehr sehenswerten Kunstkatalogen. Federführend an diesen hauptsächlichen Aktivitäten war unter Anderem Frau Dr. Imke Lüders, die die Schenkung weiterhin betreut und pflegt.

 

In seiner Eröffnungsrede betonte Herr Dr. Brandes-Druba ausdrücklich die Bedeutung dieser Aufarbeitung, die nicht nur die künstlerischen Aspekte beleuchtet sondern auch die zeitgeschichtliche Bedeutung hervorkristallisiert.

 

Herr Dr. Brandes-Druba und Frau Dr. Imke Lueders

 

Hr. Dr. Brandes-Druba und Fr. Dr. Imke Lüders

 

Sonnenblumen aus Ruine

 

Sonnenblumen aus Ruine

 

Wunderbar gelungen die Hängung der Werke nach Themen, die unter der Regie von Frau Dr. Imke Lüders stattfand. Im rechten Flügel des Ausstellungsraumes die Waldlandschaften, Industrie und Burgen-Romantik, im linken Flügel die Jugend, die Abenteuer, "Spirituelles", Gemeinschaft und "Vexierbilder".

 

Der, innerhalb von zwei Weltkriegen, aufgewachsene Künstler Ernst von Domarus lebte bis zu seinem Tod, Ende 1977, in Kassel. Geboren wurde er am 14.03.1900 in Bütow / Pommern. Die heutige Ausstellung und auch der gleichzeitig erscheinende Kunstkatalog trägt den Titel "....und der Wandervogel".

 


Diese ist nicht zum Bezug auf eine Vogelart beschränkt und auch nicht auf etwaige Wanderausstellungen wie man vielleicht denken könnte, sondern auf eine humanoide Daseinsform einer Spezies, die in der heutigen Zeit fast ausgestorben ist.

 

In der Laudatio von Frau Dr. Imke Lüders wurde der Begriff des "Wandervogel" eindringlich, sehr ausführlich und auch in diesem speziellen Fall erläutert. Die Anfänge, d. h. die Gründung, gehen bis ins Jahr 1890 zurück. Ihre Einführung in die Wandervogel- und Jugendbewegung - die im Kunstkatalog auch zeitgeschichtlich aufbereitet wird - geht nahtlos über zu den Werken von Ernst von Domarus. Die meisten seiner früheren Gemälde sind leider in den Kriegswirren verloren gegangen oder zerstört worden. Trotzdem ist ein großer Teil seines Gesamtwerks in zahlreichen Ausstellungen gewürdigt worden.

 

Sababurg

 

Sababurg

 

Duchblick

 

 

Durchblick


In der heutigen Zeit wird es mit einem kleinen Schmunzeln betrachtet, wenn Jugendliche oder gar Erwachsene - mit einer gewissen "Lagerfeuerromantik" -  mit Liedern und einer Klampfe bewaffnet durch die Wälder und Auen ziehen. Es ist im Gegensatz zur damaligen Zeit bei weitem nicht das Gleiche, auch wenn in einigen Gemälden, Ernst von Domarus eine gewisse Abenteuermentalität durchschimmern lässt.


 

 

Am Haeftlingsklimt Gotland 

 

Am Häftlingsklint, Gotland 

 

Fischerhaeuser in Kerimaeki

 

Fischerhäuser in Kerimäki

 

Zur Disziplin der damaliger Zeit gehörte es, dass Alkohol- und Tabakkonsum in den "Bewegungen" verpönt, ja sogar unter Ausschluss verboten wurde. Jedoch in den folgenden Jahren wurden auch diese Regeln etwas lockerer gehalten. Der Ausblick auf eine - damals noch unverbauten - Landschaft, dieses freie Terrain auf unbefestigten Wegen zu erobern, das gesellschaftliche Zusammensein mit Gleichgesinnten und die abendlichen Gespräche unter freiem Himmel, schafften bei dem Künstler manchen klaren Gedanken.

 

Die frühen Vorbilder, darunter Namen wie die Schriftsteller Hermann Löns, Walter Flex, Robert Hohlbein und Eberhardt König prägten zu der Zeit die Gespräche und Diskussionen in intellektuellen Kreisen genauso wie die zur Malerei gehörenden Künstler Caspar David Friedrich, Ludwig Richter, Wilhelm Leibl, Arnold Böcklin, Hans Thoma oder Otto Runge, um nur einige zu nennen.

 

Die Natur, das Lebenselexier von Ernst von Domarus, aus dem er - auch in schwierigen Zeiten - seine schöpferische Kraft gewonnen hatte, blieb er bis an seinem Lebensende treu. Die Natur hat ihm den Lebenswillen zurück gegeben. Dieses Gefühl der Naturverbundenheit, dass er in seiner Jugend erfahren hat, hat er in seinen späteren Jahren in seinen Werken wieder aufleben lassen, teils durch seine Tagebücher oder durch seine Erinnerungen. Das merkt man in diesen späteren Werken.

 

Aber auch Nachdenkliches wie bei "Eurythmie", "Der die Welt regiert", "Versenkung" oder "Masken" wird man bei dem Künstler gewahr. Diese zum Spirituellen hingehenden Werke tendieren zu einer Aufbereitung seiner Erlebnisse aus seinen früheren Lebensjahren.

 

Eurythmie

 

Eurythmie

 

Dolomitennacht

 

 

Dolomitennacht

 

Den Besucher wird es freuen, das sich der Künstler auch die nördlichen Breitengrade erwandert und diese auf seinen Reisen in etlichen Gemälden verewigt hat. Finnland, Schweden - Gotland -, Norwegen, Dänemark und Schleswig-Holstein - Hallig Hooge, Langeneß - sind Stationen die es ihm dabei angetan haben.

 

Lassen wir uns entführen und mitnehmen auf eine Reise mit den Gemälden von Ernst von Domarus, die uns auf dieser Ausstellung begegnen und teilhaben an einer Natur, die es in dieser Form nicht mehr wieder geben wird.

 

Der Wandervogel - nach dem Motto "Frei wie der Wind" - ist, wie bei Ernst von Domarus, ein naturverbundener, und trotzdem bodenständiger Mensch der sich gern in seinen letzten Jahren auch als Altwandervogel bezeichnete. Zur Ausstellung erscheint der dritte Band aus der Reihe "Ernst von Domarus - Einblicke und Ausblicke".

 


Die Ausstellung der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein ist noch bis zum 08. Mai 2015 im Gebäude der Sparkassenakademie Schleswig-Holstein, Faluner Weg 2, 24109 Kiel, werktags von 09:00 – 16:00 Uhr und Freitags bis 14:30 Uhr, zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.


Weitere Informationen sind auf der Homepage der Sparkassenakademie sowie der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein erhältlich.

 

Text: Wilfried Likuski, Redaktion mettenhof.de
Fotos: Dr. Imke Lüders & Wilfried Likuski  

 

 

 

 

 

 

 

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