Zwischenkunst II


Vor der Eröffnung am Freitag, den 08. Mai, ging es völlig entspannt und relaxt bei Kaffee und Kuchen und frühlingshaften Wetter vor der Kulturscheune des Hofes Akkerboom zu. Mit den ersten Besuchern, die schon frühzeitig erschienen waren, setzte auch die leichte Klaviermusik - von Christian Habicht gespielt  - ein, die auch Außenstehende zur Vernissage anlockten.  
Die zehn Künstlerinnen, die aus ihrem ehemaligen Domizil als Zwischennutzer im Haus 1 des Anscharparks seit Februar weichen mußten und mittlerweile händeringend neue Räume für ihre künstlerischen Tätigkeiten suchen, stellen ihre Werke zwei Wochen in der Kulturscheune vor.
Nach einer kurzen Ansprache von Frau Arienne Pegel, die auch das Problem mit den verlorenen Räumlichkeiten - die bis heute immer noch leer stehen - erläuterte und eine kurze Einführung zur Zusammenstellung dieser Künstlergruppe gab, wurde die Vernissage um 18 Uhr eröffnet.

 

 

 

Zwischenkunst mit Christian Habicht am Piano 

 

Zwischenkunst mit Christian Habicht am Piano 

 

Gabriele Goj

 

Gabriele Goj   


Experimentelles bietet Frau Gabriele Goj mit ihren drei Werken, bei denen die unterschiedlichen Formate schon ungewöhnlich sind. Unter dem Titel "Gimme Shelter" - einem gleichnamigen Lied der Gruppe Rolling Stones entliehen - läßt sie ihren Schutzengel vor einem blaugrünem Hintergrund schweben. Mit der sich immer wiederholenden eingehenden Unterschrift von "Gimme Shelter" verleiht sie diesem Schutzengel eine Kraft, von der aus dem Betrachter suggestiv etwas Heiliges entnommen werden kann.


Mit Bedacht setzt Gabriele Goj den Einsatz von ihrem 24-karätigem Blattgold ein. Gleichzeitig als Verzierung dienend, aber auch als aussagekräftige Andeutung anspielend, geben sie ihren Bildern die Faszination, die von ihnen ausströmt. Dabei setzt sie auch  ungewöhnliches Material in ihre Werke ein, wie z.B. Heftpflaster. Ein damit mit Blattgold kombiniertes Werk auf dunklem Hintergrund gibt diesem eine sakrale Ausstrahlung, von dem sich der Betrachter nicht entziehen kann.

 

Stephanie Wermke

 

Stephanie Wermke 

 

Pferde sind ihre große Leidenschaft. Die in dieser Ausstellung zu sehenden Pferdeportraits von Stephanie Wermke  - Acryl auf Leinwand - sind nach Vorlagen beziehungsweise Fotos entstanden. Stephanie Wermke ist gebürtige Schleswigerin und studiert zur Zeit Kunst und Deutsch auf Lehramt. Ihre Hobbys sind unter anderem auch die Literatur ( Crime und SF ), die Bildhauerei ( Tiermotive ) und die Fotografie. Die "Abstrakte Malerei", unter denen auch Akte gehören, hat es ihr angetan und tritt bei ihren großformatigen Gemälden offensichtlich zu Tage.

 

Heike Bender

 

Heike Bender  

 

Die gelernte Geologin und Paläontologin Heike Bender, geboren 1956 in Stuttgart, Autodidaktin in Sachen Kunst, ist freischaffende Künstlerin und fing 1978 mit der Herstellung von Keramikplastiken an. Von dieser Grundlage ausgehend begann sie 2008 Reliefbilder zu gestalten, die mit einer hauchdünnen Metallhaut aus Messing, Bronze, Blattgold oder Aluminium überzogen werden. Durch Behandlung mit Laugen und entsprechende Trocknungsperioden entstehen dabei außerordentliche visuelle Effekte, die den Betrachter in den Bann ziehen. Dabei spielt auch die Wahl ihrer Motive eine gewisse Rolle. Durch das Schnorcheln, einem beliebten Hobby von ihr, läßt sie sich durch ihre Entdeckungen aus der Unterwasserwelt inspirieren und setzt diese gekonnt in ihre Reliefbilder um. Gereift mit der entsprechenden Patina geben sie diesen noch eine gewisse Aura mit.


Mit einem Utensil, mit dem fast jeder alltäglich in Berührung kommt, beschäftigt sich Heike Bender eingehender. Die ineinander verzahnten Reißverschlüsse, mit dieser Kunsttechnik aufbereitet, geben dem Betrachter die Wichtigkeit dieser Verzahnungen wider.

 

Susann Kasten Jerke

 

Susann Kasten-Jerke

 

Susann Kasten-Jerke wurde 1963 in Eutin geboren, schloß ein Architekturstudium an der Muthesius Kunsthochschule 1984 mit dem Titel Dipl. Ing. ab, bevor sie 2001 mit ihrer künstlerischen Laufbahn mit einer Ausbildung bei der Künstlerin Deborah Di Meglio begann.
Somit konnten ihre beiden Kinder, geboren 1995 und 1999, Milena und Leon ihre kreative Entwicklung voll und ganz mit verfolgen. Mit den Sommerwerkstätten Arts and Movements und Teilnahmen an Kursen zu Linol- und Holzdruck beschäftigte sie sich bis 2005, bevor sie im gleichen Jahr die Künstlerinnengruppe "weibsart" mitbegründete, unter deren Namen auch das gleichnamige Atelier 2007 entstand.
Unter dem Credo "Es ist das Machen selbst - Kunst machen ist die Ergänzung" widmetet  sie sich 2001 der "Experimentellen Malerei" und dem "Prozeß des Bilder machen" zu. Man sieht es ihren klein- und großformatigen Arbeiten an, daß sie auf unterschiedlichen Schichten, die miteinander korrespondierend aufgebaut sind und sich aneinander orientieren. Die Verdichtung auf der Leinwand ist ein stetiges Verändern und Weglassen vom aufgetragenen Material. Dieser Prozeß verfolgt einen schnellen Wandel mit dem der Moment eingefangen werden soll. Dieses schier unmögliche Verlangen endet erst, wenn dabei der letzte Pinselstrich vollführt ist. Man merkt es der Künstlerin und ihren Werken an, daß es eine Herzensangelegenheit ist, den Dialog zwischen der Künstlerin und ihren Werken mit dem Betrachter zu entfachen und in ihre Welt mitzunehmen.

 

Susanne Lamprecht

 

Susanne Lamprecht

 

Susanne Lamprecht ist unter anderem mit ihrem Werk "Die Liebenden" aus ihrem Zyklus "Erzähl mir von der Liebe" zu Gast. "Die Liebenden", mit Acryl und Marmormehl auf Leinwand gebannt, ist das vorletzte Gemälde aus diesem Zyklus. Dort erfährt der Betrachter die Transformation zur Auflösung zweier vereinter Körper in die Unendlichkeit und Tiefen des Weltraumes und dies mit einer Farbgebung, die die Leichtigkeit dieses Entschwebens unterstützt. Die Transzendenz und die Erleuchtung der Körper wird in dieser Szene nur noch durch das Licht von der Sichel des Mondes unterstützt.

 


"Wenn Deine inneren Werte auch Deine äußeren Werke durchdringen, wenn Deine äußere Arbeit Deine innere Wahrheit widerspiegelt, lebst Du in Einheit mit Dir selbst". Diese Einheit findet Lamprecht auf der Entstehung zu ihren Werken, bei der es keine Grenzen zwischen Wahrheit und Fantasie gibt. Die Welt der Träume, die Realität die sie empfindet, bringt sie zusammen und lassen dem Betrachter Bilder und Geschichten erzählen. Sie erzählt von imaginären Ländern, in denen alles möglich ist. Von Ländern, die keine Grenzen haben, außer denen, die man beim Betrachten selbst entdeckt.

 

Monika Zipfel

 

Monika Zipfel

 

Monika Zipfel sieht sich eher als Handwerkerin als eine Künstlerin an. Dennoch sind ihre Unikate wahre Kunstwerke, die der zukünftigen Besitzerin auf den Körper zugeschnitten sind.
Unter ihrem Label "Zipfel-Handmade" entwickelt sie Mode für Frauen. Monika Zipfel entwickelt selbst ihre Schnittmuster für ihre Kreationen. Bei ihren Kunden geht sie mehr auf die Maßanfertigung zu, wobei der Kunde auf die Stoff- und Farbkombinationen selbst mitbestimmen kann. Ihre Stoffe sind unterschiedlicher Natur, insbesondere verwendet sie Materialien aus Biostoffen, der Umwelt zu Liebe.  Pfiffig anzusehen sind die hier ausgestellten Accessoires, darunter viele interessante Kopfbedeckungen.


 

 


Arienne Pegel

 

Arienne Pegel 

 

Der Wandbehang "Turm" von Arienne Pegel besteht aus einem alten gebrauchten Leinenvorhang, der mit Henna und einer Tinktur aus schwarzem starken Tee eingefärbt wurde. Die Ornamente sind an Backsteinhäusern ausgerichtet, wie sie in Schleswig-Holstein vorkommen, speziell in diesem Wandbehang - auf den Ausblick vom Anschargelände auf die umgebenden Häuser und der Ansgarkirche. Arienne Pegel setzt auf die Wiederverwertbarkeit aus alten Stoffen und abgelegter Kleidung, die sie zur Wiederverwendung aufbereitet und mit Stickereien und Druckereien aus eigenen Kreationen zu wunderschönen Accessoires umwandelt. Dazu dienen unter anderem auch alte ausgesonderte Herrenhemden, denen damit neuer Glanz verliehen wird. Bei ihrem anderen künstlerischen Betätigungsfeld, dem Filzen, verwendet sie feinste Merinowolle oder die Wolle direkt vom Schaf. Außerdem gibt sie Kurse in Kiel und Umgebung in ihren Disziplinen Schneidern und Filzen nach Anfrage.
 
Barbara Hirsekorn

 

Barbara Hirsekorn

 

Sie bezeichnet sich selbst als Aquarelistin. Die 1967 in Eberswalde geborene Barbara Hirsekorn absolvierte von 1984 - 1990 ihr Musikstudium in Berlin, wo sie von dort aus 1991  ins Philharmonische Orchester in Kiel eintrat und dort bis heute die Bratsche spielt. Ihre Bilder, ausschließlich in Aquarellfarben gemalt, zeigen Segelmotive aus Kiel und Stadteindrücke aus Berlin. Aber auch ihre Reisebilder aus Schweden und Spanien inspirieren die Künstlerin immer wieder aufs Neue durch die Erfassung ihrer Umwelt. Farbpigmente und die Verbindung mit Wasser lösen bei ihr den Reiz aus, mit dieser Technik ihre Bildideen umzusetzen. Sie ist seit 2014 Mitglied im DAG - der "Deutschen Aquarell Gesellschaft - und belegte Workshops bei namhaften Aquarellisten, wie z.B. Alvaro Castagnet.

 

Ruth Schwarz

 

Ruth Schwarz

 

Die seit 2005 freischaffende Künstlerin Ruth Schwarz hat ihren Schwerpunkt auf Zeichnungen und Collagen gelegt. Insbesondere hat es ihr die "Sakrale Kunst" angetan. Ihr Projekt "Flügelaltar", daß sie 2012 begann, vollendete sie 2014 im Atelierhaus 1 im Anscharpark Kiel/Wik. Das Brückenbauen zwischen den Kulturen ist ein Hauptanliegen bei ihren Werken. Die zart und ästhetischen Frauenporträts von Greta, Clara und Ida sind Zeichnungen mit Blei- und Farbstift auf DIN A3-Format die 2015 entstanden sind. Die "Ikone Erzengel Gabriel" - mit Eitempera auf Holz - wirkt dagegen wie ein Werk aus einer vergangenen Zeit. Ästhetik und Spannung in Form, Farbe und Struktur zu bringen sind für sie dabei wie Meditation bei der am Ende ihre Werke entstehen.

 

Beate Schaefer

 

Beate Schaefer

 

Für die Schriftstellerin, Theaterbuchautorin und Malerin Beate Schaefer hat der Buchstabe X eine besondere Bedeutung. Bei ihr steht das X für Xenos, daß griechische Wort für Gast oder Fremder. Bei ihren beiden Original-Farb-Radierungen auf Kupferdruckbütten ist dieses X eindrucksvoll präsentiert. Die Künstlerin wurde 1961 in Frankfurt am Main geboren und studierte dort Germanistik und Kunstgeschichte. Sie arbeitete nach ihrem Magisterabschluß einige Jahre in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, ehe sie sich 1996 als Autorin und Übersetzerin selbständig machte. Vier Romane sind bis heute in dieser Zeit entstanden. Die Kleingartenkomödie "Lysistrata e.V.", 2014 entstanden, ist ins Niederdeutsche übersetzt worden und handelt von einer Kleingartenkolonie, die von einem Großkonzern aus ihren Gärten vertrieben werden soll.

 

Man kann es der Künstlergruppe nur wünschen, daß sich jemand findet, der diesen Künstlerinnen eine neue Heimstätte für ihr künstlerisches Schaffen bereitstellt.

 

Ausgeschlossen, aber immer noch kämpferisch und aktiv, präsentiert sich die Künstlergemeinschaft in dieser Ausstellung noch bis zum 24. Mai. Die Öffnungszeiten: Mi./Sa./So. jeweils von 12 - 17 Uhr. Zur Finissage am 24. Mai finden künstlerische Aktionen zum Mitmachen - bei hoffentlich schönem Wetter im Apfelgarten - zwischen 12 und 16 Uhr mit Musik, Kaffee und Kuchen statt.

 

Text und Fotos: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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