Natures Vivantes

 

Malerei von Germa Ohlhaver vh

 

Herr Dr. Bernd Brandes-Druba spannte in seiner Eröffnungsrede am Mittwoch, den 18. Mai um 18:00 Uhr in der Sparkassenakademie einen weiten Bogen von der Hansestadt Lübeck bis zu Germa Ohlhavers Domizil in Griechenland um danach den Stab an die Kuratorin Frau Dagmar Rösner weiter zu geben, die eine Einführung in die Ausstellung gab und den neuesten Katalog aus der Reihe „Ars Borealis“ vorstellte.
Mit persönlichen Gedanken und Gedichten von der erfolgreichen Schriftstellerin Doris Runge wurde die Ausstellung „Natures Vivantes“ der Künstlerin Germa Ohlhaver eröffnet. Die in Schleswig-Holstein lebende und vielfach ausgezeichnete Erfolgsautorin verfolgt schon seit Langem das Schaffen von Germa Ohlhaver und fand eingangs die passenden Worte, bei denen der Betrachter die nötige Stimmung mitnahm, um bei einem Rundgang die Werke von Ohlhaver anschliessend zu geniessen.

 

 Germa Ohlhaver vH mit Ehemann Dieter Ohlhaver  

 Doris Runge vor Nach Hellas 2011

    Germa Ohlhaver mit Ehemann Dieter Ohlhaver 
  Doris Runge vor Ohlhaver’s  „Nach Hellas“

 

 In dieser Ausstellung sind auch Werke aus der Reihe Anamnisis, was so viel wie "Rückerinnernde Vergegenwärtigung" bedeutet, zu sehen. Die freie und ungegenständliche Malerei der Künstlerin lädt ein zu meditativen Gedankenspielen, bei denen die Bildfindung dem Betrachter überlassen bleibt. Es ist nicht das klassische Stillleben, das Germa Ohlhaver dem Publikum offerieren möchte, sondern den expressiven, dynamischen Anteil von der Natur und dem Leben. Dabei spielen kraftvolle Farben mitunter eine ausschlaggebende Rolle.

 

  Anamnisis I 2005

   Natures Vivantes I 2016
Anamnisis I 2005    Nature Vivantes I 2016 

 

Mit „Nature Vivante“ bezeichnet Germa Ohlhaver einen Zyklus ihrer Gemälde, wo zwar die Grundfarbe grün dominiert, aber Schattierungen und die Pinselführung - die sich in verwirbelten Linien, Unterbrechungen oder klar abgegrenzten Bereichen äußert – den Eindruck von einer gewissen Harmonie erwecken. Dabei ist Grün für sie keine neutrale Farbe wie bei Goethe, bei dem Blau und Gelb die "entschiedeneren Farben" sind in dem er sie als Gegensatz, kalt und warm, bezeichnet. Die beiden Gemälde „Turmalin“ und „Ultramazur“ stellen einen starken Gegensatz beim längeren Betrachten dar. Auf der einen Seite die starke Leuchtkraft – auf der Anderen die erdige Verbundenheit. In diesen beiden Gemälden kommen die Übergänge zum Tragen, aus denen man die Formen erahnen und, mit dem Blick dafür, erfassen kann. Gedanken durchschwirren mitunter, auch durch die Namensgebung der Gemälde unterstützt, beim Betrachten mit. In ihren Ölgemälden verbinden sich Licht, Natur und Schatten zu einem Fest- und Augenschmaus, die die Seele berühren. Seelenlandschaften, Seelenbilder verbinden sich zu einem inneren Kosmos, in dem sich Zeit und Raum verlieren.

 

In Zwischen 2011

 

 

Nach Hellas 2011

In Zwischen 2011  

   Nach Hellas 2011

 

Einige von Ohlhavers Ölgemälden sind große Paarbilder. "Inzwischen" und "Nach Hellas" sind nur einige Beispiele, die 2011 entstanden sind. Diese Paarbilder, die nur durch eine Leinwandnaht getrennt sind, sind keine "Spiegelbilder", sondern ergänzen sich in ihrer Aussagekraft in vieler Hinsicht. Da ist der Begriff "Nature Vivante" mit dem Begriff "Nature Morte" gleich mitgedacht und umgesetzt worden. Es geht hier nicht bei der Umsetzung eines Abbildes der Natur in die Abstraktion, sondern um den Kreislauf des Werden und Vergehens, um ständige Veränderung und Verwandlung aller Kreationen, die es seit dem Urknall gegeben haben könnte.
Es sind auch die Farbkompositionen und Nuancen, die Germa Ohlhaver vH - das vH steht für "von Heydebreck" - auf ihren Ölbildern hervorbringt. Farben, die, wenn man jeden Tag mit offenen Augen durch die Natur geht, ein ständige Begleiter wären. Da ist das Lindgrün, Moosgrün, Seegrün, Smaragdgrün, Maigrün gemischt mit Azur und Indigo, dazu die erdigen Farben Orange, Sienna oder Ocker. Transzendental ihre Mischung, die aus Ohlhavers Werken hervorgehen.

 

 Natures Vivantes II 2014

 

 Azur bis Indigo 2010

Nature Vivantes II 2014  
    Azur bis Indigo 2010

 

Man wird überwältigt von den Großformaten, die in dieser Ausstellung zu sehen sind und man hinterfragt sich nach längerer Betrachtung über den Verlust der eigenen Kontrolle, die man zu verlieren droht, wenn man sich in den Kosmos der Künstlerin verliert.
Meister Eckart, der mittelalterliche Philosoph sagt: „Wenn die Seele etwas erfahren möchte, dann wirft sie ein Bild der Erfahrung vor sich und tritt in dieses ein“. Die Anamnesis ist, in Platons Seelenlehre kein punktuelles Ereignis, sondern ein Erkenntnisprozess, mit dem es möglich wird, das Wissen, das in der Seele bereits vor der Geburt angelegt ist, abzurufen.

 

  Winterhart 2010

 

 Etude Picture 1998 gehangen

Winterhart 2010     Etude Pictures 1998

 

Die Abstände vom Traum zur Wirklichkeit unterliegen einer ständigen Veränderung. Dies erfahren auch die Werke von Germa Ohlhaver, in dem sie ihre Ölbilder in Schichten aufbaut und wieder abträgt, ein ständiger Wandlungsprozess, der durch innere Selbstreflexionen irgendwann zu sich findet und mit einem letzten Pinselstrich zur Vollendung führt.

Auch der Wandel der Jahreszeiten beschäftigt die Künstlerin. In „Nature Vivante März“ oder „Hohwacht im Oktober“, bei denen jeweils die Farben des Frühlingserwachens und des Herbstes dominieren, beschäftigt die Künstlerin.

Mit Doris Runge und ihren lindgrünen Lyriken aus ihrem Gedichtband „Zwischen Tür und Engel“, deren Einband ebenfalls von der Künstlerin gestaltet wurde, wurde dieser Abend zusätzlich bereichert.
Doris Runge erzählte von Bäumen, stiller Wildnis und einer Bernsteinkette und beendete den offiziellen Teil des Abends. Mit ihren poetischen Worten über den Sommer aus ihrem Gedichtband „Zwischen Tür und Engel“ entließ Doris Runge den Zuhörer in die Welt der Germa Ohlhaver.

 

Sommer

das war ein blutsturz von rosen
der heiße rücken der erde
das war ein altmodischer sommer
aus einem anderen leben
ich will nicht abschied nehmen
von dort wo ich einmal war
von der tafelrunde grüner blicke

wer gibt uns die bilder
zurück
oder den traum
die feuerbälle
wer legt uns die glut
in die ausgebrannten augen
streut asche
auf vereiste herzen
pfade die noch zu gehen sind
bis zum ende
bis zum wegkreuz
als hätten wir
eine wahl

 

Doris Runge

 

Die Ausstellung der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein ist noch bis zum 23. Juli 2016 im Gebäude der Sparkassenakademie Schleswig-Holstein, Faluner Weg 6, 24109 Kiel, werktags von 09:00 – 16:00 Uhr und Freitags bis 14:30 Uhr, zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.
Weiter Informationen sind unter www.sparkassenakademie.com und www.sparkassenstiftung-sh.de zu erhalten.

 

Text + Fotos: Wilfried Likuski
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