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Filmreihe "Blicke schärfen"

 

Flucht und Vertreibung

 

Blicke schärfen ist ein Projekt, das seit Ende2014 angelaufen ist. Es geht hierbei um das Miteinander in Mettenhof, über das Leben und das Menschsein. Diese Veranstaltungen beinhalten einen Film zu einem bestimmten Thema und anschließender Diskussionsrunde. Sie finden im Stadtteilcafé der AWO statt. Am 25.02.2015 ging es um das Thema Flucht und Vertreibung.

 

 

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Filmreihe Blicke schärfen im AWO Servicehaus

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Filmemacher im Gespräch

 

Zu diesem Thema wurde ein Dokumentationsfilm von Kay Gerdes gezeigt, der auch anwesend war. Kay Gerdes beschreibt seine Arbeit zu diesem Film als Reise, die nicht vorhersehbar war und zu der es auch kein Drehbuch gab. Herausgekommen ist eine Mischung aus altem Filmmaterial, das wunderbar mit den Aussagen der Zeitzeugen verknüpft wurde. In 45 Minuten konnten die Menschen auf eindrucksvolle Weise Anteil an dem Schicksal der Flüchtlinge nehmen.

 

Schleswig-Holstein hat während dieser Zeit ca. eine Million Flüchtlinge aufgenommen. In einer Zeit, in der die Menschen hier selbst gehungert haben.
Das war wohl eine der schwersten Aufgaben, die ein Bundesland zu meistern hatte.

 

Nach der Filmvorführung gab es eine Diskussionsrunde zu diesem Thema. Das Publikum bestand vorwiegend aus den Bewohnern des AWO Servicehauses. Da war es nicht verwunderlich, dass auch hier viele Zeitzeugen anwesend waren. Sie erlebten die Flucht als Kinder. Manche der älteren Menschen erzählten von ihren Erlebnissen. Das war sehr eindrucksvoll und ergreifend.

 

Der Film zeigte aber auch Parallelen zu heute auf. Als das laut erwähnt wurde, gab es ein ablehnendes Geraune unter den alten Menschen. Sie waren der Meinung, dass man es mit heute in keinster Weise vergleichen konnte. Empörung machte sich breit. Eine Dame meinte, dass die heutigen Flüchtlinge viel zu hohe Ansprüche stellten. Sie würden gleich alles bekommen und bräuchten hier keine Not leiden.

 

 

 

 

 

 

 

 

blicke schaerfen 3 

 

So gesehen stimmt das vermutlich. Denn die Flüchtlinge von damals erlebten Hunger, Kälte, Krankheiten, Ungeziefer und teilweise Ablehnung. Sie lebten mit vielen anderen Flüchtlingen auf kleinsten Raum zusammen. Eine Heizung oder einen Ofen gab es meistens nicht. Und eine „Willkommensgesellschaft“ gab es meistens auch nicht. Kein Wunder, wenn man selbst hungern musste. Und doch gab es während dieser Zeit Menschen, die Flüchtlinge bei sich aufnahmen und ihnen das Gefühl gaben, doch willkommen zu sein. Das wären dann auch die ersten Parallelen zu früher und heute.

 

Sicher muss keiner der heutigen Flüchtlinge hungern und frieren bei uns. Es sind halt andere Zeiten. Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt. Da wäre es sicher merkwürdig, wenn wir Flüchtlinge in verwanzte und verlauste Baracken stecken würden. Allerdings sind die Durchgangslager auch nicht gerade der Himmel. Und auch heute sind nicht alle Flüchtlinge willkommen bei uns, obwohl hier niemand hungert. Vielleicht liegt es daran, dass wir es heute mit ganz anderen Kulturkreisen zu tun haben, was früher nicht so war. Damals sprachen fast alle dieselbe Sprache.

 

Eines haben die Flüchtlinge von damals und heute sicher gemeinsam, sie haben alle ihre Heimat verloren und viel Leid und Elend erlebt. Und der Tenor dieser Geschichte kann nur sein, nie wieder Krieg, Flucht und Vertreibung. Leider gibt es Kriege in vielen Ecken dieser Erde. Die Menschen müssen fliehen, wenn sie nicht gequält, gefoltert, vergewaltigt oder getötet werden wollen. Und so lange es noch Platz und genug zu essen gibt bei uns und in anderen europäischen Ländern, sollten Flüchtlinge, die vorm Krieg fliehen, auch zu uns kommen können. Der Oberbegriff dieser Veranstaltungen heißt „Blicke schärfen“. Das sollten wir im Auge behalten.

 

Text: Heidi Venker, Redaktion mettenhof.de
Fotos: Heike Rudolph

 

 

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