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    Seit vielen Jahren lädt die Landeshauptstadt Kiel in unregelmäßigen Abständen leitende Bundeswehr-Vertreter zum Austausch ein, um so das gute Verhältnis zwischen Bundeswehr und Stadtverwaltung weiter zu stärken.



  • Tipps, wenn die Eltern pflegebedürftig werden
    Was zu beachten ist, wenn Kinder ihre Eltern pflegen, zeigen das PflegeNotTelefon Schleswig-Holstein und der Pflegestützpunkt in der Landeshauptstadt Kiel in einer gemeinsamen Veranstaltung am 11. Mai.





METTENHOF GOES MIAMI

Eine Mädchengruppe erarbeitet sich eine Bildungsreise in die USA

 

Bildung, die durch Reisen erworben wird, ist ungleich verteilt. Während Auslandsaufenthalte in die USA, Kanada oder sogar Argentinien an einigen Kieler Schulen zum Schulalltag gehören und somit eine Kultur der eigenständigen Jugendreisen entstehen kann, gibt es viele Schulen im Kieler Stadtgebiet, an denen solche Angebote nicht gemacht werden. Dabei wird diese ganzheitliche Lernform, die nachweislich Selbstvertrauen und interkulturelle Kompetenz fördert, immer wichtiger.
In Kooperation mit der Leif-Eriksson-Gemeinschaftsschule möchte Migration e.V. an dieser Ungleichheit etwas ändern.

 

 

Amerika 

Awesta Hamad(15),Bengi Garip(14),Yaren Gül(15) und Mina Oppong (15) v.li. 

Eine Gruppe 14 jähriger Mädchen arbeitet seit über 1,5 Jahren auf eine Reise nach Amerika im Oktober diesen Jahres hin. Mit Erfolg: im Dezember 2014 konnten die Flugtickets gekauft und in diesen Wochen die letzten Jugendherbergen gebucht werden. „Ich bin richtig stolz auf die Mädchen, auf ihren Fleiß und ihr Durchhaltevermögen," sagt Dani Pendorf, pädagogische Leiterin des Vereins. Am Anfang wäre sie sich nicht so sicher gewesen, ob die Mädchen ihr Ziel erreichen könnten. „Seit über 15 Jahren begleite ich die Berufs- und Lebenswegeplanung Jugendlicher. Über 50 % beschreiben den Wunsch, einmal nach Amerika zu reisen. Aber keine/r der jungen Menschen, die/der eine Gemeinschaftsschule in ‚ärmeren' Stadtteilen besuchte, hielt diesen Wunsch für realisierbar. Das hat mich immer beschäftigt." Als dann eine 12 jährige Schülerin fragte, ob eine Amerikareise möglich wäre, habe sie einfach nicht Nein sagen können, berichtet Dani Pendorf weiter. Stattdessen eröffnete sie eine Möglichkeit. Wenn die Schülerinnen bereit wären, drei Jahre zu sparen und eigenes Geld zu erwirtschaften, würde es eine gemeinsame Reise geben. 

Unerwartet war für dasTeam von Migration e.V. das Engagement, welches die Mädchen daraufhin an den Tag legten. Sie fanden eine Möglichkeit, sich ihr erstes Geld zu erwirtschaften und erkundigten sich nach den Flugpreisen. Das überzeugte nicht nur die Mitarbeiter von Migration e.V., sondern auch die Schulleitung der Leif-Eriksson-Gemeinschaftsschule.
Gemeinsam unterstützen sie die Mädchen auf dem Weg zu der Reise.
„Dass sie tatsächlich nach Amerika fliegen würden, konnten wir ihnen aber damals noch nicht versprechen. Weil es für solche Projekte keine Fördermittel gibt, war es sehr lange fraglich, ob diese Reise tatsächlich zustande kommt", ergänzt Niels-Peter Mahler, Vorsitzender des Vereins.
Doch die Mehrzahl der Mädchen überzeugte durch Fleiß und Zielstrebigkeit. Vier von sechs Mädchen haben durchgehalten und nach mehr als 200 Arbeitsstunden konnten die Flugtickets gekauft werden.
„Wir haben Waffeln gebacken, beim Mettenhofer Adventszauber geholfen und Flohmarktstände organisiert", berichtet Awesta Hamad, eine der Teilnehmerinnen. „Aber wir mussten auch Referate schreiben und an einem Englischkurs teilnehmen," ergänzt ihre Mitstreiterin Yaren Gül.

Vielleicht wegen ihres Fleißes haben die Mädchen auch viel Unterstützung erfahren. Ihre Eltern beteiligen sich an den Flugkosten und bezahlen Einreisegebühr, Pass und Taschengeld. „Da kommen über 500 € zusammen, das ist für eine Familie mit geringem Einkommen viel Geld", meint Pastor Mahler.

Dankbar sind die Mädchen auch der ev. Thomas Gemeinde und der Apotheke im famila. Denn sie spendieren einen Ausflug in den National Park Everglades bzw. kommen für den dreitägigen Aufenthalt in Miami auf.

 

 

 

Auch die Mitarbeiterinnen unterstützen die Reise aktiv. So ein Projekt ließe sich nur mit viel Ehrenamtlichkeit bewältigen, meint Dani Pendorf. Und selbstverständlich zahlen die mitreisenden Kolleginnen ihre Reisekosten selbst.

Und viele Mettenhofer haben ihren „Trödel" gespendet, welchen die Mädchen auf den Flohmärkten verkauft haben.
Diese Art der Unterstützung wird noch immer benötigt. Im Sommer organisieren die Mädchen noch mindestens einen Flohmarktstand und wären dankbar für Spenden. Diese werden selbstverständlich abgeholt. Kontakt über den Verein Migration, Tel. 0431-26040118.

Die Reise durchzuführen war dem Verein nicht nur wegen des persönlichen Nutzens der Mädchen wichtig. Vielmehr hofft der Verein, dass die Aktion auch anderen Jugendlichen Mut macht.

Und sie wollen auch auf den Umstand aufmerksam machen, dass die bestehenden Förderprogramme für Auslandsaufenthalte oder Bildungsreisen gerade bei Familien an oder unter der Armutsgrenze nicht ankommen.
Viele Auslandsaufenthalte sind auf mehrere Monate angelegt und das ist für manche junge Menschen, die noch nie von Zuhause weg waren, abschreckend.
Gleichzeitig können die Schulen eine Kultur der eigenständigen Auslandsaufenthalte wie z.B. Austauschprogramme kaum etablieren, weil die Kostenbeteiligungen zu hoch sind oder Gastfamilien mit anderen Wohnverhältnissen vorausgesetzt werden.
Ein Beispiel für die Bildungsreisen ist die Berlinförderung. Der Bund fördert Besuche des Bundestages, jedoch nur die Fahrkosten. Diese lassen sich bei Nutzung von Fernbus oder Wochenendticket gering halten. Unterkunft und Verpflegung aber sind in der Hauptstadt teuer. Das Ergebnis ist, dass einige Menschen mit einem teuren IC nach Berlin fahren und andere eben nicht fahren.

„So etwas begegnet uns in unserem Alltag immer wieder und es ärgert mich. Es ist, als lebten die Menschen, die solche Förderprogramme entwickeln, in parallelen Welten", meint Dani Pendorf. Auch deshalb hat sie sich für das Projekt engagiert. „Diesen Mädchen helfen wir, einen Traum zu verwirklichen, anderen im Stadtteil machen wir Hoffnung. Wenn wir dann noch einigen Verantwortlichen deutlich machen, dass die jungen Menschen durchaus partizipieren wollen, aber dass viele Programme nicht passen, haben wir viel erreicht".

 

 

 

 

 

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