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Michael Göring „Spiegelberg“

 

Eine Lesung in der Sparkassenakademie Kiel

Am 19. Mai stellte der Autor Michael Göring in der Sparkassenakademie Kiel sein neuestes Buch mit dem Titel "Spiegelberg" vor.
Schon mit seinem Debütroman "Der Seiltänzer" und seinem Nachfolgeroman "Vor der Wand" setzte Michael Göring dabei neue Akzente in der Welt der deutschen Literatur. In seinem neuesten Werk haucht er sieben Protagonisten ein Leben ein, deren Lebensläufe in der Zeit der Nachkriegszeit ihren Anfang nahmen. Mit dem Untertitel "Roman einer Generation" suggeriert Michael Göring den Zuhörern, mitten in diesem Zeitgeschehen mitzuschwimmen und sich wieder zu finden mit ihren eigenen Erinnerungen. Mit der Nachkriegsgeneration, den wilden 60'ern und frühen 70'ern läßt er eine Zeit wiederkehren, in der nicht nur alles rosig war und das "Wirtschaftswunder Deutschland" in all seinen Facetten und Auswüchsen beschrieben wird.

 

 

                                                                 Einladung Vorderseite Bild                                                       Michael Göring in der Sparkassenstiftung

 

 

Herr Dr. Bernd Brandes-Druba von der Sparkassenstiftung Kiel und Herr Prof. Dr. Utz Schliesky, dem Direktor des Schleswig-Holsteinischen Landtags fanden eingangs betont die passenden Worte, die auf diese Zeitreise einstimmen und das Publikum entführen sollten.

Der gebürtige Westfale läßt seine sieben Freunde in der fiktiven Siedlung "Spiegelberg" aufwachsen, die irgendwo in Deutschland liegen könnte. Mit Erinnerungen von Martin, einen dieser Freunde, der sich nach fünfzig Jahren mit Nina trifft, beginnt Michael Göring sein erstes Kapitel. Man schreibt den 14. Oktober 2015. Der Treffpunkt der beiden liegt auf dem hiesigen Friedhof, wo die Gräber ihre Vergangenheit und etliche Biographien heraufbeschwören. Mit einem Foto läßt Nina ihn noch tiefer in diese Vergangenheit hinein rutschen und die Zeitreise nimmt ihren Lauf.
In mehreren Kapiteln läßt der Autor die Mitglieder der "Fury-Gang", wie sich die sieben Freunde auch nannten, wieder auferstehen und erzählt in loser Reihenfolge ihre Schicksale. Mit Martin, den sie alle den "Mann mit der Schaufel" nannten, werden dem Zuhörer Erinnerungen ins Leben gerufen, die mit dieser Zeit in Verbindung stehen. Das "Freischaufeln" der verschütteten Erinnerungen kann beginnen.

 

In der Lesung

 

Man schreibt das Jahr 1964. Nina humpelt. Sie ist auf dem Weg mit ihrem Vater zum Zigarettenladen. Die Beziehung zwischen ihrem Vater ist angespannt. Auch das Verhältnis zwischen ihrem Vater und ihrer Mutter ist angespannt. Was mag es für ein Gefühl sein, wenn ein Kind von einem auf den anderen Moment seinen Papa verliert. Nina erfährt es. Er verschwindet. Spurlos. Für immer.
Es ist Ostern 1966. Die ersten Gastarbeiter sind in West-Deutschland eingetroffen. Martin und Sebastian gehen mittlerweile auf das Gymnasium und lernen Carlo kennen. Voreingenommenheit, Überheblichkeit und eine eigenartige Wertevorstellung der hiesigen Bevölkerung gegenüber den sogenannten Gastarbeitern machen sich breit. Schimpfwörter und Verunglimpfungen sind an der Tagesordnung. Der Krieg der Kartoffeln gegen die Spaghettis hatte begonnen. Eine Milieu-Studie der besonderen Art.
Wieder sind wir auf dem Friedhof bei Martin und Nina im Jahr 2015. Ilona, auch Ili genannt, bestimmt ihrer beider Gedanken. Martin erzählt eine Geschichte von einem nächtlichen Gespräch zwischen seiner Mutter und von Frau Pagoda, Ilis Mutter, daß nichts Gutes erahnen läßt. Nach dieser Episode ging es weiter zum nächsten Grab.
Noch einmal Ilona. 1971. Ili ist Lehrling bei der IKK und lernt tanzen - privat, da das Geld für Tanzstunden nicht reicht, bei ihrem Abteilungsleiter. Was Folgen hatte.....

 

Beim Signieren

 

„Für Maria, mit der Bitte um Verzeihung“. Mit dieser Widmung und was es damit auf sich hat, schloß Michael Göring mit seinem zweiten Kapitel um Martin (1963) diese Lesung ab.
Mit seiner eindrucksvollen bildhaften Stimme gab der Autor seinen geschriebenen Worten die Kraft mit, bei der der Zuhörer in die Tiefe des Geschehens hinab gleiten konnte.
Spiegelberg – die Straßen eines Viertels und die dazugehörigen Menschen gaben einen Eindruck her, der in der heutigen Zeit kaum noch bei Jugendlichen nachzuvollziehen ist. Es war eine andere Welt und unsere heute freiheitliche demokratische Denkweise hat fünfzig Jahre lang gebraucht um sich dahin zu entwickeln wie sie heute ist.
Man darf gespannt sein, welcher Thematik sich der Autor in seinen nächsten Roman widmet.

Wilfried Likuski (Text + Fotos)
Redaktion@mettenhof

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