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Die Rau(h)nächte

 

Wenn man den Begriff Rauhnächte recherchiert, blickt man zurück in Zeiten, wo auch der Mondkalender mit 13 Monaten noch Gültigkeit hatte. Gegenüber der heutigen Zeitrechnung fehlten aber ein paar Tage. Hier bekommen die Rauhnächte (zwischen Weihnachten und Dreikönig) als besondere Nächte eine Bedeutung. Von unseren Vorfahren wurden sie als Zeit zwischen den Zeiten betrachtet. Auch heute ist die Bezeichnung "zwischen den Jahren" noch gängig. Es wurde geräuchert, orakelt und es wurden Impulse für das kommende Jahr gesetzt.

 

Die 12 Nächte (Raunächte) nach Weihnachten und Ihre Bedeutung

 

Die Raunächte sind eine Zeit, die für Geisteraustreibung oder -beschwörung, den Kontakt mit Tieren oder wahrsagerische Praktiken geeignet sein soll.

 

Zur Mitte der Zwölfnächte, nämlich zu Silvester, sollte Wotan mit den Toten zur wilden Jagd aufbrechen. In dieser Zeit steht nach altem Volksglauben das Geisterreich offen, und die Seelen der Verstorbenen sowie die Geister haben Ausgang. Dämonen können Umzüge veranstalten oder mit der wilden Jagd durch die Lande ziehen. Bis in die jüngere Zeit war in weiten Teilen Europas der Glaube verbreitet, dass sich zauberkundige Menschen, die einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatten, zu dieser Zeit in Werwölfe verwandelten und in dieser Gestalt Mensch und Vieh bedrohten (etwa im Baltikum, in Westdeutschland, speziell in der Eifel und den benachbarten Ardennen, oder in Griechenland). Auch der Brauch, zu Silvester Lärm zu erzeugen, soll die Unholde fernhalten.

 

Altem Volksglauben zu Folge seien die Raunächte des Weiteren für das Durchführen von Orakeln sehr geeignet. Im Silvesterbrauchtum wird dieser Glaube - wenngleich in erster Linie aus Geselligkeit - in Form des Bleigießens bis heute weiter gepflegt. Der Zwiebelkalender dient der Wetterprognose. In den Zwölf Nächten oder zu Neujahr schneidet man eine Zwiebel in 12 Schalen, von denen jede mit einem Monatsnamen bezeichnet und mit Salz bestreut wird. Am nächsten Morgen soll sich dann je nach Ausmaß der angezogenen Feuchtigkeit die Regenmenge oder Trockenheit des betreffenden Monats erkennen lassen.

 

Tiere im Stall sollen um Mitternacht die menschliche Sprache sprechen und über die Zukunft erzählen. Wer die Tiere allerdings sprechen höre, sterbe unmittelbar danach.

 

Die vier genannten Raunächte galten mancherorts als derart gefährlich, dass sie mit Fasten und Beten begangen wurden. Im Haus durfte keine Unordnung herrschen, keine weiße Wäsche auf der Leine hängen (welche die Reiter stehlen würden, um sie dann im Laufe des Jahres als Leichentuch für den Besitzer zu benützen). In einer anderen Version ist dies besonders (jüngeren) Frauen verboten. Durch das Aufhängen von weißer (Unter-) Wäsche würde die "Wilde Jagd" angelockt (!) und dann über diese Frauen "herfallen". Frauen und Kinder sollten nach Einbruch der Dunkelheit auch nicht mehr alleine auf der Straße sein. Andererseits galten die Raunächte für unverheiratete Frauen als eine Gelegenheit, um Mitternacht an einem Kreuzweg oder einem anderen magischen Ort ihren künftigen Bräutigam zu sehen. Seine Gestalt erschien dann und ging schweigend vorüber, und das Mädchen durfte sie weder ansprechen noch ihr nachschauen, weil dies den Tod bedeutet hätte (Bretagne, Wales, Schottland).

 

Auch das Wetter lässt sich nach den Raunächten deuten. So wie das Wetter an den 12 Tagen ist, wird der jeweilige Monat im kommenden Jahr sein.

Ebenso auf unsere Träume sollten wir in diesen 12 Nächten besonderes achten, denn was in diesen Nächten geträumt wird soll sich erfüllen im folgenden Jahr.

 

Quelle: http://www.mittelalter-gewandung.net/

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