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Mettenhofer Kulturtage 2015 – Kiel 14-18

Kiel 14-18 / Eine szenische Erinnerung an Weltkrieg und Revolution

 

Mit dieser Zeitreise setzten an diesem Abend Frau Dr. Regina Selke, Rolf Fischer, Claudia Thoma, Wolfgang Röttgers und Gerd Sell eine szenische Erinnerung an Weltkrieg und Revolution auf die Leinwand.

 

"Lieb Vaterland, magst ruhig sein". Mit diesem Lied stimmte Gerd Sell das zahlreich erschienene Publikum auf einen unvergeßlichen Abend ein.
Man schrieb das Jahr 1914. Es ist der 28. Juni in der Kieler Woche. Auf der Kieler Förde fuhren die Kriegsschiffe der Kaiserlichen Marine, an den Strandpromenaden und auf den Terrassen herrschte buntes, reges Treiben.
Durch einen Kurier erreichte eine Depesche den Kaiser auf seiner "Meteor" mit der Nachricht von einem Attentat. Serbische Nationalisten ermordeten den österreichischen Thronfolger, den Erzherzog Franz Ferdinand. Diese Tat löste 4 Wochen später den 1. Weltkrieg aus.

 

 

Kiel 14 18 

von links n. rechts: Gerd Sell, Rolf Fischer, Dr. Regina Selke,
Wolfgang Röttgers und Claudia Thoma

Militärisch-agressiv gesungen ertönt nochmals eine Strophe des Liedes "Lieb Vaterland, magst ruhig sein".
In Kiel ging der Fortschritt indessen weiter. Noch blieben die Auswirkungen der Tat unbemerkt. Die Gleichberechtigung der Frau hielt Einzug in das Kieler Stadtleben. Das "Kieler Sechstagerennen" der Radfahrer war ein internationales Sportereignis in diesen Zeiten und lenkte die Bevölkerung von den immer bedrohlicheren Vorzeichen ab. Mit einer alten Grammophonaufnahme, die eingespielt wurde, nahm der Kieler Ernst Busch dieses Ereignis auf die Schippe - "keiner weiss warum".
Sigmund Freud machte zu dieser Zeit mit seiner Eugenik von sich reden. Die Auswirkungen konnte man in diesen Jahren noch nicht vorausahnen. Der Sturmgesang auf den Straßen wurde mittlerweile immer lauter. Alte Fotos von Aufmärschen in der Kieler Holstenstraße, dem Rathaus und der Wasserturm am Ravensberg wurden eingeblendet.
Am 01. August 1914 erklärte Deutschland Rußland den Krieg. Die Kriegsmarine, des Kaisers liebstes Spielzeug, wurde flott gemacht. Deutsche Truppen marschierten noch im August in Belgien ein. Makaber kommt das Instrumental "Morgen kommt der Weihnachtsmann" daher.

Mit der Aussage "Ihr werdet wieder zu Hause sein, wenn das Laub von den Bäumen fällt" wurde den deutschen Soldaten, die sich freiwillig gemeldet hatten, Mut gemacht. Doch nicht alle drängten zum Krieg. Sie wurden im Volk als vaterlandslose Gesellen bezeichnet. Es erfolgte ein jahrelanger zermürbender Stellungskrieg in denen viele Soldaten fürs Vaterland fielen. In Kriegsgebeten wurde das Ende des Krieges herbeigesehnt und mit den Kriegstrauungen kamen auch die ersten Kriegswitwen.
Selbst ein Kriegskochbuch wurde dafür geschrieben. Die Volksküche in Gaarden war die Essensausgabestelle in Kiel, an denen sich die Hinterbliebenen für wenig Geld ihr Überleben sichern konnten. Armut breitete sich aus und grau war nun die Farbe der Uniformen.
Moderne Waffen eroberten nun das Schlachtfeld. Darunter ein deutscher Jagdbomber mit der Bezeichnung Fokker E3. Panzer, Flammenwerfer und Giftgas wurden eingesetzt.

 

Mit der Reportage über den Flottenkrieg gegen die Briten vor dem Skagerrak gab es ein altes Filmdokument aus diesen Tagen zu sehen. Die deutsche Überlegenheit brachte dabei den Briten herbe Verluste ein - mit 117 000 Toten und auf deutscher Seite mit 61 000 Toten. Das nasse Grab gab sie nicht wieder frei.

Zwei Strophen aus dem Lied von Hannes Wader "Es ist an der Zeit" wurden von Gerd Sell vorgetragen. An den Essensausgabestellen gab es nun Rübenmus und Kartoffeln an die Bedürftigen. In den Kieler Kinos kostete der Eintritt derzeit 60 Pfennig.
In Kiel fiel die Gesellschaft auseinander, wobei die Tendenz nach links vorherrschte.
Dann gab es die erste Judenzählung im Mai 1916 und unzählige Ausschreitungen prägten das
Stadtbild. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gründeten den radikalen und sozialistischen "Spartacusbund". Mittlerweile wurde überall gestreikt und die sozialistische Partei Deutschlands zerfiel in die MSPD und USPD.
Das Lied "Ich kam aus Alabama (Oh, Susanna)", damals gesungen von Hans Albers nach dem Text von Carl Zuckmayer, wurde zu einem Gassenhauer. Karl Marx und Friedrich Engels betraten die politische Bühne. Im März begann die Bolschewistische Revolution in Russland.


 

 

 

 

 

 

 

 

Nun folgte ein Medley von Arbeiterliedern. Den Anfang machte zuerst das Andreas Hofer Lied "Dem Morgenrot entgegen" dem sich dann die "Internationale" von Emil Luckhardt. anschloß.
Hindenburg feierte seinen 70. Geburtstag. Am 29. Januar 1918 begannen die ersten Werftarbeiterstreiks, doch der U-Bootbau ging unvermindert weiter. Mittlerweile blühte auch der Schwarzmarkt. Die Entmachtung der herrschenden Kaste hatte begonnen.
3. November 1918 in Kiel. Der Aufstand der Matrosen griff auf die deutschen Großstädte und das gesamte Reich über. Arbeiter- und Soldatenräte wurden gebildet. Am 9. November wurde vorzeitig die Abdankung des Kaisers in Berlin bekannt gegeben und Philip Scheidemann rief die neue Deutsche Republik aus. Der Kaiser verließ Kiel fluchtartig. Die feudale Macht ging daraufhin zurück.
Mit dem Schlußlied "Uns bleibt keine Wahl" nach einer traditionellen Melodie und einem Text von Hannes Wader ging diese Zeitreise zu Ende.

Der erste Weltkrieg hatte in Kiel tiefe Spuren hinterlassen. Die Collage aus Wort, Musik und Bild, gab Einblicke in das Lebensgefühl Kiels in schwerer Zeit. Die Bilddokumente wurden im Kieler Stadtarchiv selbst zusammengestellt. Für die Präsentation und Dokumentation verantwortlich: Frau Dr. Regina Selke. Rolf Fischer stellte als Moderator die Kieler Ereignisse in einen größeren historischen Kontext vor. Claudia Thoma sprach in erster Linie für das Kieler "Bürgertum" und Wolfgang Röttgers für die Kieler "Opposition". Der Musiker Gerd Sell spielte zeitgenössische Lieder und Lieder mit Zeitbezug.

Das AWO-Stadtteilcafe war, im Rahmen der 9. Mettenhofer Kulturtage, für diese Veranstaltung bestens geeignet und bot den dazugehörigen und entsprechenden Rahmen.
Das Publikum dankte diesem Ensemble für ihr starkes Engagement und ihrer Vorführung mit einem lang anhaltenden Applaus.

 

 

 

 

 

 

Kiel 14-18

Mit dieser Zeitreise setzten an diesem Abend Frau Dr. Regina Selke, Rolf Fischer, Claudia Thoma, Wolfgang Röttgers und Gerd Sell eine szenische Erinnerung an Weltkrieg und Revolution auf die Leinwand.

                                

                                         von links n. rechts: Gerd Sell, Rolf Fischer, Dr. Regina Selke,

                                                        Wolfgang Röttgers und Claudia Thoma

"Lieb Vaterland, magst ruhig sein". Mit diesem Lied stimmte Gerd Sell das zahlreich erschienene Publikum auf einen unvergeßlichen Abend ein.

Man schrieb das Jahr 1914. Es ist der 28. Juni in der Kieler Woche. Auf der Kieler Förde fuhren die Kriegsschiffe der Kaiserlichen Marine, an den Strandpromenaden und auf den Terrassen herrschte buntes, reges Treiben.

Durch einen Kurier erreichte eine Depesche den Kaiser auf seiner "Meteor" mit der Nachricht von einem Attentat. Serbische Nationalisten ermordeten den österreichischen Thronfolger, den Erzherzog Franz Ferdinand. Diese Tat löste 4 Wochen später den 1. Weltkrieg aus.

Militärisch-agressiv gesungen ertönt nochmals eine Strophe des Liedes "Lieb Vaterland, magst ruhig sein".

In Kiel ging der Fortschritt indessen weiter. Noch blieben die Auswirkungen der Tat unbemerkt. Die Gleichberechtigung der Frau hielt Einzug in das Kieler Stadtleben. Das "Kieler Sechstagerennen" der Radfahrer war ein internationales Sportereignis in diesen Zeiten und lenkte die Bevölkerung von den immer bedrohlicheren Vorzeichen ab. Mit einer alten Grammophonaufnahme, die eingespielt wurde, nahm der Kieler Ernst Busch dieses Ereignis auf die Schippe - "keiner weiss warum".

Sigmund Freud  machte zu dieser Zeit mit seiner Eugenik von sich reden. Die Auswirkungen konnte man in diesen Jahren noch nicht vorausahnen. Der Sturmgesang auf den Straßen wurde mittlerweile immer lauter. Alte Fotos von Aufmärschen in der Kieler Holstenstraße, dem Rathaus und der Wasserturm am Ravensberg wurden eingeblendet.

Am 01. August 1914 erklärte Deutschland Rußland den Krieg. Die Kriegsmarine, des Kaisers liebstes Spielzeug, wurde flott gemacht. Deutsche Truppen marschierten noch im August in Belgien ein. Makaber kommt das Instrumental "Morgen kommt der Weihnachtsmann" daher.

Mit der Aussage "Ihr werdet wieder zu Hause sein, wenn das Laub von den Bäumen fällt" wurde den deutschen Soldaten, die sich freiwillig gemeldet hatten, Mut gemacht. Doch nicht alle drängten zum Krieg. Sie wurden im Volk als vaterlandslose Gesellen bezeichnet. Es erfolgte ein jahrelanger zermürbender Stellungskrieg in denen viele Soldaten fürs Vaterland fielen. In Kriegsgebeten wurde das Ende des Krieges herbeigesehnt und mit den Kriegstrauungen kamen auch die ersten Kriegswitwen.

Selbst ein Kriegskochbuch wurde dafür geschrieben. Die Volksküche in Gaarden war die Essensausgabestelle in Kiel, an denen sich die Hinterbliebenen für wenig Geld ihr Überleben sichern konnten. Armut breitete sich aus und grau war nun die Farbe der Uniformen.

Moderne Waffen eroberten nun das Schlachtfeld. Darunter ein deutscher Jagdbomber mit der Bezeichnung Fokker E3. Panzer, Flammenwerfer und Giftgas wurden eingesetzt.

Mit der Reportage über den Flottenkrieg gegen die Briten vor dem Skagerrak gab es ein altes Filmdokument aus diesen Tagen zu sehen. Die deutsche Überlegenheit brachte dabei den Briten herbe Verluste ein - mit 117 000 Toten und auf deutscher Seite  mit 61 000 Toten. Das nasse Grab gab sie nicht wieder frei.

Zwei Strophen aus dem Lied von Hannes Wader "Es ist an der Zeit" wurden von Gerd Sell vorgetragen. An den Essensausgabestellen gab es nun Rübenmus und Kartoffeln an die Bedürftigen. In den Kieler Kinos kostete der Eintritt derzeit 60 Pfennig.

In Kiel fiel die Gesellschaft auseinander, wobei die Tendenz nach links vorherrschte.

Dann gab es die erste Judenzählung  im Mai 1916 und unzählige Ausschreitungen prägten das

Stadtbild. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gründeten den radikalen und sozialistischen "Spartacusbund". Mittlerweile wurde überall gestreikt und die sozialistische Partei Deutschlands zerfiel in die MSPD und USPD.

Das Lied "Ich kam aus Alabama (Oh, Susanna)", damals gesungen von Hans Albers nach dem Text von Carl Zuckmayer, wurde zu einem Gassenhauer. Karl Marx und Friedrich Engels betraten die politische Bühne. Im März begann die Bolschewistische Revolution in Russland.

Nun folgte ein Medley von Arbeiterliedern. Den Anfang machte zuerst das Andreas Hofer Lied "Dem Morgenrot entgegen" dem sich dann die "Internationale" von Emil Luckhardt. anschloß.

Hindenburg feierte seinen 70. Geburtstag. Am 29. Januar 1918  begannen die ersten Werftarbeiterstreiks, doch der U-Bootbau ging unvermindert weiter. Mittlerweile blühte auch der Schwarzmarkt. Die Entmachtung der herrschenden Kaste hatte begonnen.

3. November 1918  in Kiel. Der Aufstand der Matrosen griff auf die deutschen Großstädte und das gesamte Reich über. Arbeiter- und Soldatenräte wurden gebildet. Am 9. November wurde vorzeitig die Abdankung des Kaisers in Berlin bekannt gegeben und Philip Scheidemann rief die neue Deutsche Republik aus. Der Kaiser verließ Kiel fluchtartig. Die feudale Macht ging daraufhin zurück.

Mit dem Schlußlied "Uns bleibt keine Wahl" nach einer traditionellen Melodie und einem Text von Hannes Wader ging diese Zeitreise zu Ende.

Der erste Weltkrieg hatte in Kiel tiefe Spuren hinterlassen. Die Collage aus Wort, Musik und Bild, gab Einblicke in das Lebensgefühl Kiels in schwerer Zeit. Die Bilddokumente wurden im Kieler Stadtarchiv selbst zusammengestellt. Für die Präsentation und Dokumentation verantwortlich: Frau Dr. Regina Selke. Rolf Fischer stellte als Moderator die Kieler Ereignisse in einen größeren historischen Kontext vor. Claudia Thoma sprach in erster Linie für das Kieler "Bürgertum" und Wolfgang Röttgers für die Kieler "Opposition". Der Musiker Gerd Sell spielte zeitgenössische Lieder und Lieder mit Zeitbezug.

Das AWO-Stadtteilcafe war, im Rahmen der 9. Mettenhofer Kulturtage, für diese Veranstaltung bestens geeignet und bot den dazugehörigen und entsprechenden Rahmen.

Das Publikum dankte diesem Ensemble für ihr starkes Engagement und ihrer Vorführung mit einem lang anhaltenden Applaus.  

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