Literaturfrühling auf dem Hof Akkerboom

4. Mettenhofer Literaturfrühling

 

Tom Keller – „Wenn die Worte rollen"

 

Ein kraftvoller rauer Blues ertönt auf einer Mundharmonika aus dem Hintergrund und nähert sich der Kulturscheune von Hof Akkerboom. Spielend betritt Tom Keller, Kieler Schauspieler und Musiker, den Raum und bewegt sich leicht und lässig durch ihn, wie er es in den nachfolgenden eineinhalb Stunden gleichsam durch Gedichte, Lieder und Balladen – eigenen wie angeeigneten – tuen wird.

Mit Francois Villon steigt er in schnoddrig und liederlich lästernd in das Programm ein. Villon und die Frauen – Villon und seine dauernde Geldknappheit. Keller erzählt von der dicken Margaux, die sich und Villon von der Prostitution ernährt, und den Küssen der schönen Frauen von Paris aber auch von Villons Bittgesuchen aus den fürstlichen Knast. Einer der nur nimmt und wenig gibt. Ein wildes Leben, das im starken Kontrast zu Shakespeares zarten Sonetten steht. Einer, der gibt: „Nimm was ich liebe, nimms ...".

 

 

 

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Tom Keller 

 

Über Ringelnatz und Goethe rollt Keller durch die Verse und präsentiert die Ballade „Trutz Blanke Hans" von Detlev von Liliencron. Im eindringlichen Sprechgesang zum Akkordeon baut Keller eine starke Stimmung auf, die die ganze Dramatik des Untergangs von Rungholt bewusst macht. Mit „Pidder Lüng" - einem weiteren Text von Liliencrons - sowie der „Regenballade" wandelt Keller auf den Spuren von Achim Reichel. Die Regenballade erzählt von einem Spaziergang durch den verregneten Wald und der unheimlichen Begegnung mit dem „Schnatermann". Was musikalisch wie ein leichter Musettewalzer auf dem Akkordeon beginnt, wandelt sich im Laufe des Vortrags zu einer schweren dunklen Musik, die die bedrohlich wirkt und eine Gänsehaut erzeugt.

 

Die zweite Hälfte des Abends eröffnet Keller mit eigenen Liedern. Auf der Gitarre präsentiert „Herr K aus K" seine Stücke mit Titeln wie „Affenstunde", „Häuser in Flammen", „Die Zeit läuft" und „Im Meer", die die verschiedenen Momente des Lebens beleuchten. Rockig bis romantisch vorgetragen, wobei Keller in seinem Gitarrenspiel einem Pete Townshend („The Who") als „unplugged version" sehr nahe kommt.

 

 

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Tom Keller, rockig bis romatisch im zweiten Teil 

Zum Ende schließt sich für alle Anwesenden der Kreis. Rau, rustikal und unbelehrbar lästernd mit der Galgenballade von Villon. Aber kein Abgang ohne Zugaben und hier sogar mit Küsschen von Grillparzer („Kuss") und Erich Fried („Wie Du solltest geküsset sein"). Ein unterhaltsamer Abend mit vielen Elementen, frech – besinnlich – romantisch – unheimlich - lustig und auch ernüchternd. Am Ende doch viel zu schnell vorbei. Nochmal bitte, Herr K aus K.

Text und Fotos: Cai-Uwe Lindner
28.3.2015

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