5. Literaturfrühling - Stunde der Autoren - Henning Schöttke

Stunde der Autoren Henning Schöttke

 

Schon bei den Kulturtagen 2012 und 2014 war Henning Schöttke mit seinem Debütroman "Gula's Menü" und seinem Nachfolgeroman "Acedias Traum" zu Gast in Mettenhof. Diesmal läutete er mit anderen Autoren den "5. Mettenhofer Literaturfrühling" mit ein.
In der Reihe "Stunde der Autoren" las er am Freitag, den 15.04. in der Kulturscheune des Hof Akkerbooms aus seinem neuesten Roman "Luxurias Glück" vor.
Wie auch in seinen Vorgängerromanen, die in den 60er'n und 70er'n ihren Ursprung haben, ist auch dieser Roman ein Abbild der Zeitgeschichte geworden, der sich wie ein roter Faden durch die Handlung fortzieht.

Der auf dem Cover gezeichnete leicht in Schieflage geratene VW-Bus ist dabei auch ein Generationsmerkmal dieser Zeit. Um so weniger erstaunte es die Zuhörer nicht, als Henning Schöttke seine Lesung mit einem Kapitel begann, deren Handlung in einer Autowerkstatt in Hamburg spielt.
In dem Kapitel "Warum ist die Banane krumm" betreten drei Hauptakteure die Bühne. Es ist Mitte Mai 1967. Westdeutschland wird von einer großen Koalition unter Bundeskanzler Kiesinger regiert und die Ankündigung des Besuchs von Schah Reza Pahlavi wirft seine Schatten voraus.

 

 

 

Henning Schöttke
 

Henning Schöttke auf Hof Akkerboom
© Wilfried Likuski 

 

Bei der rebellischen Jugend werden unterdessen die Haare immer länger und die Röcke immer kürzer. Luxuria verbringt ihre Kindheit häufig auf dem Werkstattgelände, wo Kalles Betrieb steht. Sie ist mittlerweile über drei Jahre alt und mit Kalle und dessen Freundin Marion hat sie nicht unbedingt die besten Spielgefährten erwischt. Zwar bekommt sie schon unter dem Mantel der Verschwiegenheit von Marion mitgeteilt, woher die Babys kommen, aber den nötigen Ernst läßt sie dabei vermissen.
Die BILD-Zeitung kommt zu diesem Zeitpunkt mit der Titelzeile "Krawallmacher im Anmarsch auf Berlin - SCHLUSS MIT DEM ROTEN TERROR" heraus, doch Luxuria rennt zu dieser Zeit ihren Tagträumen hinterher.

In dem Kapitel „Ganz doll lieb haben“ ist Luxuria mittlerweile 10 Jahre alt und die ersten vorpubertären Gespräche mit ihren Klassenkameradinnen über die Sexualität verlaufen nicht gerade zu ihrer Zufriedenheit. Ein Buch mit der Geschichte von Romeo und Julia ist eine Wendung in ihrem Leben. Vieles ist dabei nicht anders als in ihrem Leben; ihre Eltern stritten ständig und manchmal fiel das Wort „Scheidung“, was für sie kein Fremdwort mehr war.
Ein Stück Vergangenheit holt sie bei einem Umwege ein und Erinnerungen an ihre frühere Kindheit werden wach. Da ist der Friseurladen in dem ihre Mutter gearbeitet hat, um einige Ecken weiter ihre erste Wohnung in der sie gelebt hatte, doch die Autowerkstatt von Kalle existierte nicht mehr. Sie war mittlerweile einem Supermarkt gewichen.
Verlassen und wie aus einem Märchen kommend, wünschte sie sich an einen anderen Ort. Nie, nie wieder mochte sie an dieser Stelle weilen.
Zur gleichen Zeit betritt ein Mann vom Fürsorgeamt die Wohnung der Familie Finke zu deren Mitgliedern sich auch Luxuria zählte und deren Anzahl der Geschwister sich mittlerweile sich auf sechs erhöht hatte. Das Schicksal nimmt seinen Lauf.

„Zacharias und der zappelnde Fisch“ heißt das letzte Kapitel an diesen Abend, das Henning Schöttke dem Publikum vorträgt und in dem Luxuria, deren Spitzname „Luca“ lautet, ihre ersten sexuellen Erfahrungen macht.
Luca ist 14 Jahre alt, hat ihr eigenes Zimmer in der Mansarde bekommen und ist mit Philip zusammen, ihrem zwei Jahre älteren Freund. Es kommt zu Berührungen, und im Laufe eines Abends zum ersten gemeinsamen Sex. Doch die eigentliche große und heimliche Liebe, die sie Philip verschweigt, ist – Zacharias.


 

 

 

 

 

 

 

 

Luxurias Glück 

Luxurias Glück von Henning  Schöttke

In diesem Roman, wo es um Liebe und ihre Sehnsucht danach geht, lässt Henning Schöttke den Zeitgeist der 60er- und 70er-Jahre wieder aufleben. Mit all seinen politischen und sozialkritischen Aspekten wird ein Portrait von einer Generation gezeichnet, die schon der Nachkriegsgeneration einen Schritt weiter voraus war. Hier anhand des Werdegangs von Luxuria.
Der dritte Teil über die sieben Todsünden ist hiermit abgeschlossen und man wartet gespannt auf den vierten Teil der Heptalogie mit dem Namen „Iras Atem“, wie an diesen Abend zu erfahren war.

Wilfried Likuski (Text + Fotos)
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