Von Alfred Gertz auf Freitag, 13. März 2026
Kategorie: Aktuelles

Kiel hält Kurs bei der Wärmewende – trotz möglicher Lockerung beim Heizungsaustausch

Mit dem kürzlich veröffentlichten Eckpunktepapier zum geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz strebt die Bundesregierung einen deutlichen Kurswechsel beim Heizungsaustausch an. Bislang gilt: Wer seine Heizung nach Ablauf des 30. Juni 2026 austauscht, ist gemäß den aktuell geltenden Anforderungen aus dem Gebäudeenergiegesetz dazu verpflichtet, bei der Wärmeversorgung den Einsatz von 65 Prozent erneuerbaren Energien zu berücksichtigen.

Nach dem Eckpunktepapier soll unter anderem diese Anforderung gestrichen werden. Gebäudeeigentümer*innen könnten demnach unter Berücksichtigung der sogenannten „Biotreppe" weiterhin Öl- und Gasheizungen einbauen. Die „Biotreppe" ist eine stufenweise steigende Beimischungspflicht von CO2‑neutralen Brennstoffen (Biomethan, synthetische Kraftstoffe etc.) für neue Öl‑ und Gasheizungen ab 2029, die anstelle der bisherigen 65‑Prozent‑Erneuerbare‑Pflicht tritt. 

Aus Sicht der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (VZSH) kommt der Einbau neuer Gas- oder Ölheizungen einer risikoreichen Wette auf die Zukunft gleich. „Klar ist: Wer heute erneut in eine Gas- oder Ölheizung investiert, könnte sich in wenigen Jahren mit deutlich höheren Betriebskosten konfrontiert sehen", so Carina Vogel von der VZSH. Ursache hierfür seien die steigenden Kosten für synthetische und biogene Brennstoffe aufgrund der knappen Verfügbarkeit sowie steigende Netznutzungsentgelte für den Bezug von Erdgas aufgrund einer sinkenden Anzahl der Abnehmerschaft und steigender CO2-Preise.

„Wir sind froh, dass wir als Vorreiter der Wärmewende unsere Wärmeplanung für die Landeshauptstadt Kiel bereits 2024 erfolgreich aufgestellt haben und sich viele Projekte bereits in der aktiven Umsetzung befinden. Wir haben mehr als 200 Gebäudeeigentümer*innen durch unsere kostenfreien Energieberatungen bei ihrer persönlichen Wärmewende begleitet, dabei wurde die Sinnhaftigkeit der 65-Prozent-Regelung zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt", so Kiels Dezernentin für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität Alke Voß.

Mit der Kieler Wärmeplanung liegt ein klarer Fahrplan vor, wie das Ziel einer klimaneutralen Wärmeversorgung in Kiel bis 2040 erreicht werden kann. Die Erarbeitung dieses gesamtstädtischen Planungsinstruments erfolgte nach den Vorgaben des Energiewende- und Klimaschutzgesetzes des Landes Schleswig-Holstein und unter Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen aus dem Gebäudeenergiegesetz.

Mit der Wärmeplanung haben die Gebäudeeigentümer*innen eine wertvolle Orientierungshilfe erhalten, wo der Anschluss an die Fernwärme, an ein Nahwärmenetz oder eine Eigenversorgung die jeweils kosteneffizienteste Lösung darstellt. Bei der Eigenversorgung haben sich – unter Berücksichtigung aktueller Energiepreise und Förderprogramme – Luft-Wärmepumpen in vielen Gebäudesegmenten als wirtschaftlichste Referenztechnologie etabliert, wenn es um individuelle Investitionsentscheidungen geht. Alle Informationen zur Kieler Wärmeplanung sowie zum umfangreichen Beratungsangebot sind abrufbar unter www.kiel.de/Waermeplanung.

„Die durch den Ukrainekrieg ausgelöste Energiekrise 2022 sowie der aktuelle Nahostkonflikt zeigen sehr deutlich, wie wichtig es ist, sich von Energieimporten aus dem Ausland unabhängig zu machen. Als Landeshauptstadt Kiel setzten wir daher weiter auf den Ausbau erneuerbarer Energien und die Umstellung auf fossilfreie Technologien in der Wärmeversorgung", macht Alke Voß deutlich.

Auch Dr. Jörg Teupen, Vorstand Technik und Personal der Stadtwerke Kiel AG, bezieht klare Stellung „Wir sehen unsere Fernwärme als die Wärmeversorgung für die Zukunft und die Kommunale Wärmeplanung – die wir gemeinsam mit der Landeshauptstadt Kiel erarbeitet haben – als optimale Grundlage, die Wärmeversorgung in Kiel weiterhin bezahlbar und perspektivisch klimaneutral zu gewährleisten."

Für Umweltdezernentin Alke Voß steht fest: „Wir sehen es als unsere Aufgabe, für die Kieler*innen im Rahmen der Daseinsvorsorge eine sichere, kosteneffiziente und nachhaltige Wärmeversorgung zu gewährleisten. Als Landeshauptstadt Kiel halten wir den Ausstieg aus fossilen Energieträgern für richtig und wichtig, damit auch die heranwachsenden Generationen mit Zuversicht in eine lebenswerte Zukunft blicken können."

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