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Literaturfrühling 2018 - GEGENWORT

Literaturkreis Euterpe e.V.Eine Lesung

Euterpe bedeutet die Erfreuende oder Ergötzende und ist die Muse der lyrischen Poesie. Benannt hat sich nach dieser Muse der lyrischen Dichtung der Literaturkreis Euterpe e. V.
Im Rahmen des 6. Mettenhofer Literaturfrühlings lud dieser diesen Literaturkreis auf Hof Akkerboom ein.

 
 
Mit sphärischen Klängen wurden die Besucher in der Kulturscheune des Hof Akkerboom von Thomas Henningsen mit seinen RAV's  begrüsst. Dazu später etwas mehr.

Der gebürtige Breslauer Bodo Heimann, der heute in Kiel lebt, eröffnete mit seiner Begrüssungsrede den gut besuchten literarischen Abend.
Gedanken über die Zeit und ihre Nutzung in der "Der Zeitmaschinist" und über die Sinnlosigkeit der Konjunktive "Hätte", "Wenn" und "Aber" begann Michael Timm diese Worte zu hinterfragen.
 
v.l. n.r. B. Becker M. Timm und Romy Steinriede

Sinnlich beschrieb Romy Steinriede in der "Japanische Blüte" den Übergang vom Winter zum Frühling. Derb ging es allerdings danach zu in "Über-Zeugung" mit den Anfangsworten: "So wie Frieden nicht die Abwesenheit von Krieg ist ...“ Worte die zum Nachdenken anregten.
Über den "Frühling" von Michael Timm gab es von Barbara Becker eine kleine Einführung zum Buch "Gegenwort". In ihrer Kurzgeschichte "Gegenworte" geht es um einen Krankenhausaufenthalt und um die Hoffnung. Hoffnung und um die Verweigerung darauf.
Während eines kurzen Intermezzos von Thomas Henningsen verließen die Vortragenden die Lesebühne und drei Weitere betraten sie.

v.l. n.r. F. Zacharias J. Schirren Langowski und B. Becker

Hintersinniges mit einem Konsonanten zu bekräftigen, passiert in "Fast schon Frühling", in dem es um ein "Gründliches grünliches Grün" geht. Mit dieser Farbe ging es fröhlich weiter bei Jul Schirren-Langowski mit seinen Wortspielereien. Mit "Grünlich", "Grün" und "Grüner" versucht der Künstler verzweifelt diese Farben in die Monate März, April und Mai zu zwängen und mit Zweig- und Ast-Worten anschliessend das "Blaue Band" des Frühlings über das Land zu treiben.
"Meerumarmung"- Mit dieser Inspirationsmetapher von Barbara Becker lässt diese ihre Protagonisten an den Strand herantreten. Durch die Gezeiten, den unendlichen Weiten und dem Wellenschlag sind viele Künstler, Dichter wie Musiker, beeinflusst worden. Positives und Negatives wird in dieser Beschreibung sichtbar gemacht, wobei das Positive überwiegt.
Beim Negativen bleibt dann ihren Worten nach "... dann atme ich den Himmel ein".
Wer unter einer "Langen Leitung" leidet, die mit einer gewissen Begriffsstutzigkeit einhergeht, ist bei Frank Zacharias gut aufgehoben. Wenn dann "Noch Fragen" aufkommen sollten, dem hilft dieser Dichter auch noch weiter, da er auch Amseln die nötigen Flötentöne beibringen kann. Oder war es doch der Teufel?
"In tiefer Nacht, wenn alle Farben schweigen, wartet mein schwarzes Chamäleon auf einen unsichtbaren Traum". Mit diesen Worten entliess Jul Schirren-Landowsky die Zuhörer in die Pause.
Wer kennt sie nicht die Klänge der Steel-Drums aus Jamaika, die ein gewisses Wohlbefinden erzeugen und die Sehnsucht nach Ferne und Wärme fördern. An dieses Instrument angelehnt entstand das RAV. Dieses ungewöhnliche Instrument erzeugt Töne, die lange im Raum schweben und erst allmählich verhallen. Entspannung ist garantiert. Mit einer kleinen Einführung von Thomas Henningsen über die Geschichte der Entstehung und Weiterentwicklung dieses Instruments begann der zweite Teil dieses Abends.

v.l.n.r. J. Schirren Langowski B. Heimann und H. Jacobsen

Mit einem Ionenraumschiff unterwegs zu sein ist keineswegs so einfach wie es bei Bodo Heimann in "Meister Eckhart mißtraut seiner Theorie" erscheint. Mit Lichtgeschwindigkeit zu reisen, die Zeit zu besiegen - ja sogar die Möglichkeit zu besitzen nicht mehr zu altern. Diese Gedanken umtreiben Meister Eckhart. Sogar die Umkehrmöglichkeit erwägt er dabei. Wie wäre es zu allem Anfang zurück? Doch mehrere Gedankenschritte weiter kommen doch gewisse Zweifel auf.
Genüssliches und (Über)-Sinnliches kam bei Heike Jacobsen auf den Tisch. Vorher noch sanft berührt und aus dem Garten entfernt, landet diese Frucht in der Küche. Denn Heikes Handschmeichler soll nun in seine Einzelteile zerlegt und dem Genuss zugeführt werden. Dabei handelt es sich um die Frucht des Granatapfels. Die meditative Sezierung wird bei dieser Geschichte von Heike Jacobsen zur einer inneren Wallfahrt.
In Uwe Jürgensen’s „Übersicht“ geht es um Rückblicke, das Vibrieren im Hier und Jetzt und um die Vorschau auf das Jenseits. Leichter geht es zu in „Routine“ in dem man die Welt im neuen Scheine erblickt und zum ersten Mal die Frühlingsluft atmet. Mit „Zitronenfalter“ endet dieser poetische Abend in einer Leichtigkeit des Seins.
Um es mit Peter Rühmkorff‘s Worten zu beschreiben: "Wer Lyrik schreibt ist verrückt".
Kurzum: mit Prosa und Lyrik war es wieder ein besonderer und gelungener Abend für Geniesser der Deutschen Sprache und ihrer Ausdrucksweise.

Wilfried Likuski (Text + Fotos)
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