Johannes Janusz Dittloff - Retrospektive '85/'15

Johannes Janusz Dittloff – Retrospektive '85 / '15

 

Eine Doppelausstellung der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein und der Industrie- und Handelskammer zu Kiel

 

Dem polnischen Künstler Johannes Janusz Dittloff werden bis zum 27. August dieses Jahres zwei Werkschauen gewidmet, die parallel in der "Merkur-Galerie" der Industrie- und Handelskammer in Kiel und im Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein Kiel gezeigt werden.


Sie sind als Retrospektive konzipiert und umfassen Werke aus den letzten drei Jahrzehnten des in 1951 in Sosnowiec (Polen) geborenen Künstlers. Dittloff studierte von 1970 bis 1976 Grafik an der Krakauer Kunstakademie, wo er nebenbei in den Sparten Malerei, Fotografie, Bildhauerei und Zeichnen fundierte und qualifizierte Kenntnisse erlangte. Als Spätaussiedler folgte er seinen Eltern gemeinsam mit seiner Frau und seiner Tochter nach Deutschland wo er seit 1985 in Schleswig-Holstein ansässig ist. Der Künstler lebt in Kiel und arbeitet als Freischaffender in Kiel, Hamburg und Berlin. Als Designer auf dem Sektor Architekturdesign ist seine Handschrift bei der Einrichtung des Elektromuseums der E.ON Hanse AG in Rendsburg oder u.a. in dem Konzept des Computermuseums der Fachhochschule in Kiel zu sehen.


Seine grafischen Arbeiten werden hauptsächlich in der Merkur-Galerie ausgestellt, während der Schwerpunkt Fotografie in der Sparkassenstiftung präsentiert wird. Dort sind auch die "Polnischen Impressionen" zu sehen, die ab den Zeitpunkt des Eintritts Polens am 1. Mai 2004 in die Europäische Union zum größten Teil entstanden sind. Skulpturen und Statuen die an eine andere Zeit erinnern sind genauso vertreten, wie Gebäudefassaden - zerfallen oder auch im (Wieder)-Aufbau. Plakatsäulen die, zweckentfremdend, als Anschlag für Suchanzeigen herhalten müssen und eher desillusionierend wirken, werden ihrer Funktion beraubt.
Durchführungen, Unterführungen - wie auch die Ab- und Aufgänge dazu - erscheinen teils aus einem anderen Jahrhundert entsprungen aber auch ihre futuristischen Formen einer neuen Gesellschaft entgehen dem Künstler nicht. Seine Gehsteigimpressionen - kurz notiert und abgehakt. Dort mal die Ball spielenden Kinder, ein an der Leine geführtes Frettchen, daß von Beinen und Füßen umzingelt wird oder die vor einem Cafe sitzende alte Frau finden bei Dittloff die gleiche Beachtung und Aufmerksamkeit, wie die Gedenkstätte an einem Stahlpfeiler, die mit großer Wahrscheinlichkeit an eine verlorene Seele erinnern soll.
Viele seiner eingefangenen Eindrücke lassen vieles offen und man ahnt nur wohin die Reise gehen soll.

 

Zwei Mädchen Mann mit Fahrrad
Zwei Mädchen Mann mit Fahrrad

 

 

Anders dagegen die "Kieler Impressionen". Vor architektonischen Hintergründen positioniert, haben es ihm augenscheinlich auch die "Kieler Hunde" angetan. Mit dem etwas "Anderen Blick" gelingt es Dittloff durch seine Positionierung Dinge in einer Art darzustellen, die man im Alltäglichen gerne mal übersieht. Dinge ins rechte Licht zu rücken, das Spiel mit Sonne und Schatten, lassen die Motive aus Kiel portraithaft erscheinen. Dem Betrachter geben sie die Gelegenheit den Ort des Geschehens nochmals aufzusuchen und seinen Horizont durch den entsprechenden Blickwinkel zu erweitern.
Architektur und ihre atmosphärische Ausstrahlung in der Fotografie festzuhalten, trieb den Künstler auf seinen Streifzügen durch Berlin, Frankfurt, Hamburg, Kiel, Kattowitz und eben Kiel.

 

Impressionen aus Berlin
Impressionen aus Berlin

 

Aber nicht nur den toten Dingen widmet sich der Künstler zu. Bei "People" sind die dargestellten Personen aus dem Alltag, aus ihrer Umgebung und mit einer gewissen Intimität in ihren Regungen festgehalten. Bei seiner Serie "Street Art/Found Art", die hauptsächlich in Berlin entstanden ist, setzt der Künstler noch eins drauf, in dem er neben den Menschen noch allerhand Kuriositäten einfängt. Da durchdringt Jack Nicholsen mit seiner unnachahmlichen Geste aus "Shining" eine Hausmauer, eine Mariengestalt blickt auf ein unter ihr abgestelltes Fahrrad und eine Schülergruppe die auf ihren Weg an einem Wandbild vorbeigeht, auf dem vorbeimarschierende, in Uniform der Hitlerjugend gekleidete Jungen und Mädchen dargestellt werden.

 

Impressionen aus Kiel Impessionen aus Kiel II
Impressionen aus Kiel Impressionen aus Kiel

 

 

 

Entspannter und besinnlicher geht es bei den Themen Meer und Landschaft zu. Umgepflügte Ackerböden, die Gestade Schleswig-Holsteins - stille, fast andachtsvolle Ansichten laden den Betrachter zum Entschleunigen ein. Und wer kennt sie nicht, die Geschichte vom Schnatermann, vertont in der Regenballade von Achim Reichel. Die im fahlen Morgenlicht getauchten Baumstämme und verlassenen Tümpel vermitteln solch eine gespenstische Stimmung, in der man solche Wesen und Geschöpfe vermuten könnte. Selbst die in der Ballade vorkommenden Enten wurden bei diesen Impressionen des Themas "Natur" anscheinend nicht vergessen.

 

I am only human II I am only human III
I'm only human I'm only human

 

Die in den Jahren von 2000 bis 2003 entstandene Serie "I'm only human" (Ich bin nur menschlich) sind Grafiken, die sich im Focus auf die Physiognomie des Antlitzes richtet. Der stetige Kampf des Menschen mit seinen täglichen Problemen spiegelt sich in diesen Gesichtsausdrücken wider und läßt diese zum Teil fratzenhaft und dauerhaft eingeprägt erscheinen. Emotionshaft dazu erscheint die Grafik "Das Geheimnis der Liebenden" eine der Beziehungsformen in unserer Gesellschaft dem Betrachter näher zu bringen. Abwendung, Zuneigung und die Leidenschaft der Liebe ziehen hier den Besucher in den Bann und lassen ihn für lange Zeit nicht los.

 

Das Geheimnis der Liebenden
Das Geheimnis der Liebenden

 

Die Werke mit dem Schwerpunkt Fotografie sind noch bis zum 27. August 2015 im Foyer des Sparkassen- und Giroverbandes für Schleswig-Holstein, Faluner Weg 6 24109 Kiel, werktags von 09:00 – 16:00 Uhr und freitags bis 14:30 Uhr, zu besichtigen.

Die Werke mit dem Schwerpunkt Graphik sind noch bis zum 27. August 2015 in der "Merkur -Galerie" der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein zu Kiel, Bergstraße 2 24103 Kiel, werktags von 08:00 – 17:00 Uhr und Freitags bis 15:30 Uhr, zu besichtigen.

Der Eintritt zu den beiden Ausstellungen ist frei. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. Er ist in der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein erhältlich. Die Schutzgebühr beträgt 10,00 Euro; bei Versand 12,50 Euro.

Weitere Informationen zu diesen Ausstellungen sind unter www.ihk-schleswig-holstein.de und www.sparkassenstiftung-sh.de zu erhalten.

 

Wilfried Likuski
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